Sabine Christiansen (Mitte) moderierte den Runden Tisch mit Lutz Minkner, Willi Plattes, Carmen Riu, Corinna Graf, Toni Nadal und Daniel Wahl (von links). | Patricia Lozano

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Zu Beginn des Runden Tischs fragte Carmen Riu, Chefin der Hotelgruppe Riu, ob „wir auf Spanisch sprechen können”. Moderatorin Sabine Christiansen verneinte – und Riu, geboren 1955, sprach ohne Probleme auf Deutsch.

Ihr mallorquinisches Familienunternehmen, das sie in dritter Generation führt, verzeichnete in der Pandemie mehr als 60 Prozent Einnahmenseinbußen. Sie sagte, dass Juli und August dieses Jahres aus wirtschaftlicher Sicht sehr gute Monate gewesen seien, aber: „Wir haben nicht die Preise von 2019 erreicht und wir hatten weniger Gäste.” Die Hotels hätten aufgrund der Corona-Regeln nicht komplett ausgelastet werden können. Dennoch seien alle Häuser geöffnet gewesen und die Saison viel besser als 2020 verlaufen. „Auch wenn wir Geld verloren haben, mussten wir aufmachen.” Die Gäste sollten Normalität vermittelt bekommen.

Die dreifache Mutter Riu sprach aus, was vermutlich alle im Saal dachten: „Wir hoffen, dass keine neue Virusvariante mehr kommt.” Dann werde die Branche im kommenden Jahr einen normalen Sommer erleben.

Auf die Frage, wie größere Häfen und mehr Schiffe auf Mallorca zum von vielen angestrebten höheren Klimaschutz passten, antwortete die Vorstandsvorsitzende des Yachthafens Puerto Portals, Corinna Graf: „Ich glaube, dass es ein Muss ist, gleichzeitig Nachhaltigkeit anzustreben.”

Es gehe darum, die Schönheit der Insel mitsamt des Mittelmeers zu schützen. Beides ziehe viele Menschen an, was für den Hauptwirtschaftszweig Tourismus wichtig sei. Sie verneinte, dass es immer mehr Schiffe im Hafen von Puerto Portals gebe, und dortige Gebäude seien umweltfreundlich ausgebessert worden. Darüber hinaus seien Ladestationen für Autos mit Elektroantrieb geschaffen worden. Und: „Wir arbeiten mit Meeresschutz-Organisationen zusammen und machen Säuberungsaktionen.” Besonders Wasserpflanzen wie die Posidonia müssten geschützt werden.

Auch Kinder der Segelschule würden geschult, wie sie verantwortlich mit dem Meer umgehen. Sie lernten, wo man ankern darf, welche Tiere es gibt und dass man Plastik-Müll mitnimmt.

Toni Nadal, Sportdirektor der Rafa Nadal Academy in Manacor, erzählte eine Anekdote aus der Zeit, als er noch seinen Neffen Rafael Nadal trainierte. Er ließ ihn hin und wieder auf schlechten Plätzen und mit schlechten Bällen trainieren. Warum? „Wenn du besser als die anderen sein willst, darf es nicht zu einfach sein”, sagte Toni Nadal. „Ich wollte, dass er willensstark wird. Auf und neben dem Platz.”

Der Trainer hielt sich bei den Methoden an ein Sprichwort: „Talent entsteht in der Stille, Charakter formt sich in schwierigen Situationen.” Eine starke Persönlichkeit forme sich nicht mit Worten.

Einmal bei den US Open sprangen die Bälle nicht so hoch vom Boden ab wie „Rafa” es mag und der Mann aus Manacor beschwerte sich über die Filzkugeln. Bei dem Turnier verlor Nadal gegen die 20 der Weltrangliste.

Ein paar Wochen später, in Peking, wo Nadal mit Bällen der gleichen Marke spielte, schlug er mehrere Spieler aus den Top Ten. „Das hat mir gezeigt, dass es immer leicht ist, Ausreden zu finden – und das mag ich nicht”, sagte Toni Nadal.

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Der Geschäftsführende Gesellschafter der Steuerkanzlei European Accounting, Willi Plattes, betonte, dass Mallorca mehr biete als Tourismus, Immobilien und Restaurants. Plattes, der 1996 mit seiner Frau nach Mallorca kam und fünffacher Vater ist, sagte, dass die Insel besonders bei der Digitalisierung Potenzial habe. An der Balearen-Universität UIB gebe es viele gute Informatiker, die sich in Unternehmen einbringen könnten.

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In Bezug darauf wiederholte Plattes seine Vision vom „Silicon Island”, die er im Mai im Mallorca Magazin erläutert hatte. Etwa könnten Hotels Firmen Workingspaces bereitstellen. So könnten im Homeoffice Arbeitende besonders in der Nebensaison nach Mallorca gelockt werden, wovon wiederum die hiesige Wirtschaft profitiere.

Plattes denkt besonders an Projektarbeiten von drei bis vier Monaten. Die Insel biete zu jeder Jahreszeit Charme. Um Homeoffice auf Mallorca zu erleichtern, arbeite Plattes Büro daran, dass Interessierte steuerliche und rechtliche Hürden einfacher nehmen könnten.

Der Rechtsanwalt und Immobilienunternehmer Lutz Minkner ist seit rund 30 Jahren auf Mallorca tätig und erlebe dieses Jahr wirtschaftlich eines der besten, sagte er. „Darüber freuen wir uns, besonders weil das vergangene eines der schwierigsten Jahre war.”

Minkner musste 2020 die Geschäfte seines Unternehmens für einige Monate schließen und bezahlte trotzdem sein Personal komplett weiter, was ein großes Investment gewesen sei. „Aber es hat sich gelohnt.” Dass es nun besser laufe, sei einem Nachholbedarf der Menschen zu verdanken: „Viele hatten vor Corona die Idee, sich auf Mallorca ein Haus zu kaufen und tun das nun.”

Ein weiterer Faktor sei, dass wegen niedriger Zinsen erspartes Geld an Wert verliere. Die Menschen seien auf der Suche nach einem sicheren Anlageort, der die Insel sei. Hinzu komme die emotionale Rendite: auf Mallorca eine Immobilie zu haben und sie nutzen zu können, vermittele ein gutes Gefühl. Die Preise für Häuser seien noch nicht ausgereizt.

Auf die Frage, wie das Streben nach wirtschaftlichem Wachstum auf Mallorca mit Nachhaltigkeit in Einklang gebracht werden kann, sagte Daniel Wahl, Berater für Innovation und Nachhaltigkeit: „Wir messen Wachstum falsch. Das Bruttosozialprodukt spiegle nicht unbedingt den Erfolg einer Gesellschaft, sondern auch negative Einflüsse.”

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Man müsse darüber nachdenken, was qualitatives Wachstum ausmacht. Das bedeute nicht mehr Touristen, sondern dass sie länger bleiben. Der Durchschnitt für einen Aufenthalt auf der Insel liege bei zehn Tagen. Wenn man die Chance der Pandemie nutze und Homeoffice etabliere, könnten weniger Menschen kommen, „dafür aber länger bleiben”. Sie könnten dann auch einen tieferen Einblick in Kultur und Geschichte der Insel erhalten. „Das wäre dann Bildungstourismus.”

Wichtig sei auch, die Diversifizierung der Wirtschaft voranzutreiben. Doch der Wandel könne nur mithilfe des Tourismus gelingen. Dafür müssten Hotelfirmen in die Resilienz der Umwelt investieren. Sprich: „Die lokale Lebensmittel- und Energieproduktion fördern.”

Gefördert wurde die Veranstaltung auch von der Tourismusstiftung Mallorcas #MallorcaSafeTourism.

(aus MM 43/2021)