Nummer sicher auf Mallorca

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Die Cala Mondragó auf Mallorca.

Die Cala Mondragó auf Mallorca. Foto: UH

Mallorca hat über 200 Strände. Weitläufige Sandstrände mit Dünen und wenig Bebauung, sogenannte Naturstrände, andere, urbane Strände, befinden sich inmitten von Hotelanlagen. Es gibt kleine abgeschiedene Buchten, es gibt bewachte Strände, es gibt Strände mit wenig Strömung und solche im Norden, die wegen der Windstärke bei Surfern beliebt sind. Trotz Badeaufsicht geschehen Unfälle, teilweise mit tödlichem Ausgang. Strandsicherheit ist, gerade in der Hochsaison, lebenswichtig.

Einen entscheidenden Teil zur Strandsicherheit tragen die Lebensretter bei. Öffentliche Ausschreibungen ermöglichen es privaten Firmen oder Organisationen wie dem Roten Kreuz, sich daran zu beteiligen. Die Ausschreibung ist Gemeindesache. Jede Gemeinde legt selbst fest, wie oft sie ausschreiben. Das kann jährlich, alle zwei oder nur alle vier Jahre sein. Zu diesem "Vorsingen" präsentieren sich verschiedene Firmen. Wer den Zuschlag bekommt, entscheiden finanzielle und technische Kriterien. Von der Grundausbildung sind die Rettungsschwimmer alle gleich ausgebildet; das heißt, sie haben die 100 Stunden Kurs mit Theorie und Praxis absolviert. Die technischen Kriterien können eine gute Ausstattung wie zusätzliche eigene Rettungsboote und Kajaks sein. Ein Defibrillator pro Strand ist Pflicht. "Häufig ist der Preis ausschlaggebend", sagt Carlos de España Van Nieuwenhuyse, Präsident des balearischen Verbands der Rettungsschwimmer.

Aktuell befindet sich Spanien in einer Übergangsphase. In den nächsten Jahren sollen sich die bisher 100 Ausbildungsstunden auf 400 erhöhen. Auch die Auffrischungsanforderungen seien strenger, so de España. Ab dem kommenden Jahr sollte jede Strandbar einen "socorrista reactivo" haben, eine Art Ersatzrettungsschwimmer. Die Rettungsposten sind nicht rund um die Uhr besetzt, normalerweise von zehn bis 18 Uhr. Diese Ersatzperson ist nicht gleichwertig ausgebildet, ein Sanitätskasten und Grundkenntnisse sind hier zu erwarten.

Wer sich als Rettungsschwimmer beim Roten Kreuz bewirbt, muss eine zusätzliche Prüfung machen, bei der die Theorie abgefragt wird. Auch das praktische Können müssen die Bewerber vorzeigen, zum Beispiel bei einem Rettungsversuch mit der Stoppuhr. Auch das Wissen über die Erste Hilfe wird überprüft. Beim Interview zählen Erfahrung und persönlicher Eindruck.

"Man muss kein 'Kraftbolzen' sein, aber physisch fit für den Ernstfall. Normalerweise ist die Hauptaufgabe der Rettungsschwimmer die Prävention oder die Erste Hilfe", sagt Maxi Leira, der beim Roten Kreuz für die Auswahl der Rettungsschwimmer zuständig ist. Cruz Roja bewacht nur noch die Strände von Port de Sóller, alle anderen Strände sind in der Hand privater Firmen. Warum dies so sei, hierüber schweigen sich alle aus. Auch der junge Rettungsschwimmer auf dem Hochsitz des Palmesaner Stadtstrandes Can Pere Antoni möchte nicht über seinen Job plaudern. Strikte Order von oben, nicht darüber mit der Presse zu sprechen. Auch Leira hält sich sehr bedeckt, wenn es um die allgemeine Situation der Sicherheit an Mallorcas Stränden geht. Carlos de España spricht freier. Badeunfälle mit tödlichem Ausgang gebe es zirka 20 bis 30 pro Jahr. Er sieht die neuen Bestrebungen positiv. Wenn es nach ihm ginge, würden die Rettungsschwimmer keine Acht-Stunden-Dienste machen, sondern nur halbtags arbeiten. "Strände sind etwas Dynamisches", sagt de España. Vollständig kontrollieren wird man sie nie können. Doch gut geschultes Personal, moderne Ausstattung und verantwortungsvolles Verhalten der Badegäste könne dazu beitragen, die Zahl der Badeunfälle zu senken.

INFOS im INTERNET

Die Balearen-Regierung versucht mit der deutschsprachigen Internetseite www.platgesdebalears.com zur Strandsicherheit beizutragen. Aufgelistet sind dort 208 Strände samt Informationen über Badebedingungen, Beschaffenheit und Erreichbarkeit. Auch über die aktuelle Gefahrensituation an vielen Stränden gibt es dort Auskunft.

Wenn die grüne Fahne weht, heißt das, dass das Baden im Meer uneingeschränkt erlaubt ist. Vorsichtig sollte man trotzdem sein. Die gelbe Fahne heißt soviel wie: Baden ist nur mit besonderer Vorsicht erlaubt. Ungeübte Schwimmer und Kinder sollten nicht ins Wasser gehen.

Ist die orangene Fahne gehisst, bedeutet das, dass der Rettungsschwimmer derzeit nicht anwesend ist. Die rote Fahne bedeutet, dass das Baden absolut verboten ist. Wind und Strömung können die Gründe dafür sein.

(aus MM 23/2015)

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