Nicht gesucht und doch gefunden: TV-Redakteurin Namali Schleberger und Radprofi Linus Gerdemann lernten sich auf Mallorca kennen. | Patricia Lozano

Er stammt aus dem Münsterland und fuhr als Radprofi knochenharte Rennen wie die Tour de France, den Giro d'Italia und trug für das Team T-Mobile schon das gelbe Trikot des Gesamtführenden beim wichtigsten Radrennen der Welt. Für seinen Sport reiste er durch die ganze Welt, um zu trainieren oder Rennen zu gewinnen. Sie ist in Sri Lanka als Tochter eines Deutschen und einer Singhalesin geboren und mit acht Jahren nach Berlin gezogen, arbeitete später in München als TV-Redakteurin und designte mit ihrem damaligen Mann Bühnenbilder für mediale Großveranstaltungen wie "Wetten, dass…?" oder die Bambi-Verleihung, stand sogar kurzzeitig vor der Kamera...

Dass Linus Gerdemann und Namali Schleberger heute ein Paar sind, haben sie Mallorca und der Tatsache zu verdanken, dass sie sich zeitgleich eine Auszeit genommen hatten. Vor vier Jahren hatte sich Namali von ihrem Mann getrennt, ihr Haus am Starnberger See verkauft und ein neues erworben. "Ich hab damals alles umgekrempelt, konnte aber wegen Renovierungsarbeiten noch nicht ins neue Haus einziehen", sagt sie. Also reiste sie mit ihrer Mutter, zwei Kleinkindern und dem Hund nach Mallorca, das sie von ihrer Arbeit für "Wetten, dass…?" schon kennen- und schätzen gelernt hatte. "Ursprünglich wollte ich nur zwei Monate bleiben und den Winter nicht in Deutschland verbringen."

Einen Winter auf Mallorca hatte sich auch Linus Gerdemann vorgenommen. Schon einige Zeit zuvor hatte er sein Haus in Deià gefunden, gekauft, geschmackvoll renoviert und sich ein Refugium auf Mallorca geschaffen. "Ich hatte mich während des Trainings in die Insel verliebt. Man hat als Radprofi ja viele Vergleichsmöglichkeiten in Europa und der ganzen Welt, aber Mallorca fand ich schon als Ort ziemlich ideal", sagt er. Als Namali nach Mallorca kam, war auch Linus auf der Insel und ordnete gerade sein Leben. Sein Vertrag beim Team Radio Shack war ausgelaufen und er hatte kein neues Team gefunden. "Das war quasi ein Sabatical", sagt er heute rückblickend. Privat sah es ähnlich aus: Auch er hatte gerade eine Beziehung beendet.

Als sich die beiden über Freunde kennenlernten, war Namalis erster Gedanke: "Das könnte interessant werden, aber als alleinstehende Frau von 40 und mit zwei Kindern ist es irgendwie komisch." Mit ihrem Singledasein hatte sie sich eigentlich weitgehend arrangiert und am Starnberger See, wo jeder jeden kannte, war es eher unwahrscheinlich, eine neue Beziehung zu finden. "Ich dachte, ich bleibe ein ewiger Single, aber es war auch nicht schlimm. Ich war also nicht irgendwie verzweifelt." Dass es mit Linus dann doch funkte, kam eher unvorbereitet - wie so oft im Leben.

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Ihr anfängliches Zögern verwandelte sich schnell in das Vorhaben, einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Fünf Wochen nach dem Kennenlernen zog sie mit ihrer kleinen Familie bei Linus ein. "Es ist wirklich sehr schön hier, deswegen war es nicht besonders schwer, hierher zu kommen." Wichtig war auch, dass es für ihren Ex-Mann in Ordnung war, dass sie nach Mallorca zog - die Kinder waren damals zwei und vier, also noch nicht schulpflichtig. "Ich fühlte mich wie 18 und konnte mein Leben neu aufsetzen, nur eben mit zwei Kindern." Geholfen hat der Patchwork-Familie die für Mallorca eher untypische Weltoffenheit in Deià. "Das war schon in den 70ern ein altes Hippiedorf, und selbst die Mallorquiner, die hier leben, haben oftmals schon im Ausland gelebt. Hier gibt es auch viele Künstler und Schriftsteller", sagt Linus Gerdemann. Und die Freundlichkeit gegenüber Kindern. "Kinder sind hier alles, das merkt man immer wieder, wenn man wieder mal in Deutschland ist", sagt der Profisportler, der erst vor Kurzem vom aktiven Radsport zurückgetreten ist, wie er MM im Gespräch verrät. "Das habe ich bislang noch nirgendwo verkündet."

Sein neues Gemeinschaftsprojekt für die Zeit nach der Karriere ist nun auch schon wieder ein Jahr alt und heißt wie der Kosename seine Frau: Nama, ein asiatisches Restaurant im Herzen von Deià. "Ohne Linus hätte es das Nama nicht gegeben. Ich bin zwar kreativ und habe unheimlich viele Ideen, bin aber eher vorsichtig und kein Macher", sagt Namali Schleberger. Ihr Lebensgefährte war da entschlossener. "Ich war schon immer sehr interessiert, was Immobilien angeht. Ich habe das Haus gesehen und gedacht, dass es ein perfektes Restaurant für den Ort sein könnte."

Also gesagt, getan, doch mit dem Kauf begann das Abenteuer erst. "Gastronomisch waren wir totale Greenhorns", sagt sie. Vor allem war es schwer, den richtigen Koch zu finden, der ihre Vorstellungen von Qualität umsetzt. "Ich kann kochen und bin eine gute Gastgeberin, ich bin aber keine Profi-Köchin", sagt sie. Unglaubliches Glück hätten sie gehabt, Köchin Bondi aus Singapur zu finden. "Eine echte Powerfrau mit hohem Anspruch", sagt Linus Gerdemann anerkennend.

Der Erfolg hat dann beide doch überrascht. "Dass uns die Kosmopoliten hier im Ort angenommen haben, war schon ein Ritterschlag." Vielleicht war es die Mischung aus persönlichen Vorlieben und einem unorthodoxen Verständnis von kreativer Küche und natürlich Namalis Gastgeberqualitäten. "Da hängen persönliche Bilder und Bücher, eine Buddha-Statue von meiner Mutter. Dann ein Foto von mir als Kind in Sri Lanka auf einem Motorrad, an das ich mich sehr gut erinnern kann, weil ich mich so frei fühlte", sagt sie. In Sri Lanka habe die Familie immer ein Haus voller Freunde gehabt - und so lebt sie es jetzt mit ihrem Lebensgefährten auch in Deià und in ihrem Restaurant.

(aus MM 50/2016)