So funktioniert die Weihnachtslotterie auf Mallorca

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Das Tante-Nichten-Duo Pepi Enríquez (links) und Toñi García führen den Schreibwarenladen mit Losverkaufstelle "Papelería Sastre" in Arenal.

Das Tante-Nichten-Duo Pepi Enríquez (links) und Toñi García führen den Schreibwarenladen mit Losverkaufstelle "Papelería Sastre" in Arenal.

Foto: Patricia Lozano

Toñi García kommt kaum zum Verschnaufen, die Schlange der Kunden reicht bereits bis auf die Straße. Alle wollen ihr Glück versuchen. „Wir gelten als Haus des Glücks”, sagt Pepi Enríquez, während ihre Nichte einen Lottoschein nach dem anderen verkauft. Die beiden Frauen führen den unscheinbaren Schreibwarenladen mit Lottoannahmestelle „Papelería Sastre” in Arenal. Die beiden Glücksfeen verkauften 2018 ein Gewinnerlos der spanischen Weihnachtslotterie – „El Gordo”.

Es vergehen nur noch wenige Tage, dann sind Mallorca und das ganze Land wieder im Lottofieber. Denn am 22. Dezember wird die traditionelle Weihnachtslotterie gezogen. Die Spanier hoffen dann auf „El Gordo”, den dicken Hauptgewinn. Die Lotterie gehört hierzulande zu Weihnachten wie die Heiligen Drei Könige. Ein Grund ist, dass die Gewinnchancen – wenn auch nur auf einen der kleineren Preise – im Vergleich zu anderen Verlosungen relativ gut stehen.

„In diesem Jahr wird uns das Glück sicherlich wieder hold sein”, sagt Pepi Enríquez mit einem Augenzwinkern. Vor drei Jahren verkauften Pepi Enríquez und Toñi García zwei Lose der Weihnachtslotterie, sogenannte „Décimos”, mit der Nummer 03347. Auf diese Zahl fiel der Hauptgewinn der Weihnachtslotterie: pro „Décimo” 400.000 Euro.

„Das war ein verrückter Tag”, erinnert sich Toñi García. Stammkunden und Anwohner kamen, um zu gratulieren. Eine Flasche Sekt wurde geköpft. Es ist auf Mallorca üblich, dass in der Lottostelle, die ein Siegerlos verkaufte, das Glück kräftig gefeiert wird. Wer allerdings nicht auftauchte, waren die Sieger. „Einer rief uns später an. Er war ein Tourist aus Madrid. Mehr wissen wir auch nicht”, erzählt Pepi Enríquez.

In den 208 Jahren seitdem die weihnachtliche Sonderziehung in Spanien begangen wird, war das volle Losglück Mallorca nur selten hold. 1843, 1872, 1886, 1902, 1986, 1995 und 2018 wechselten Sieger-„Décimos” auf der Insel den Besitzer. Kleinere Gewinne gab es häufiger.

Die gerahmte Glückszahl von Weihnachten 2018 hängt in dem Papierwarenladen neben vielen weiteren erstprämierten Losnummern anderer Lottoziehungen. „Wir haben schon gemerkt, dass seit dem Gordo mehr Kunden zu uns kommen”, sagen die Ladenbetreiberinnen. Die Kundschaft besteht hauptsächlich aus Nachbarn und Urlaubern, die ihre Ferien in Arenal verbringen.

Welche Nummer wird besonders nachgefragt? „Das ist ganz unterschiedlich”, erklärt Losverkäuferin Toñi García. Gewünscht werden oftmals Geburtstage oder Daten besonderer Ereignisse. Die Lottobude kann jede der 100.000 Nummern der Weihnachtslotterie verkaufen. Das ist der Unterschied zu vielen Cafés oder anderen Einrichtungen, die in der Vorweihnachtszeit ebenfalls solche Lose anbieten. Diese haben sich ein gewisses Kontingent einer bestimmten Nummer gesichert.

Einfach lässt sich die Wunschnummer zudem über das Internet kaufen. Nicht mehr zu haben ist in diesem Jahr ein „Décimo” mit der Losnummer 19921. Das ist das Datum, an dem der Vulkan auf La Palma ausbrach. Ein Ereignis, das viel Leid über die Insel brachte, muss nun für einige Spanier als Glücksnummer herhalten.

Die Sonderauslosung wird in jedem Jahr von einem anrührenden Werbefilm beworben. Die Nachricht, die vermittelt wird, ist eigentlich immer dieselbe: Das (Los-)Glück kann geteilt werden. Denn traditionell wird ein „Décimo” an Familienangehörige, Freunde und Nachbarn verschenkt. Die Ziehung kann live im Internet verfolgt werden, am Tag danach drucken zudem die spanischen Tageszeitungen alle Gewinnernummern ab.

Preise von weniger als 3000 Euro können in der Lottoannahmestelle der Wahl eingelöst werden. Ist der Gewinn höher, muss der Glückspilz sein Los bei einer Bank abgeben und sich den Gewinn aufs Konto überweisen lassen. In beiden Fälle muss der Ausweis vorgelegt werden. Gewinner sollten nicht zu lange warten: Der 22. März 2022 wird der letzte Tag sein, um den Gewinn einlösen zu können.

Die Ziehung erfolgt am Mittwoch, 22. Dezember, im Teatro Real de Madrid. Die Schüler von San Ildefonso singen die Gewinnerzahlen vor. Der Event wird am Vormittag ab 9 Uhr im Fernsehen übertragen.

DER DICKE IM ÜBERBLICK

„El Gordo”,„der Dicke”, so nennen die Spanier den Hauptgewinn der Weihnachtslotterie. Diese wurde zum ersten Mal 1812 ausgelost und heißt seit 1892 „Sorteo de Navidad”. Die Sonderauslosung ist die umsatzstärkste Ziehung der spanischen Lotterie. Sie macht 30 Prozent des Jahresumsatzes von „Loterías y Apuestas del Estado” aus. Es gibt insgesamt 100.000 Nummern in 172 Serien. Verkauft wird das Los klassischerweise als „Décimo”, also als Zehntellos, zum Preis von 20 Euro. Insgesamt werden 2,4 Milliarden Euro ausgeschüttet, wobei die Lottogesellschaft theoretisch 3,44 Milliarden Euro einnimmt, wenn alle „Décimos” verkauft werden. Eine Nummer holt den Hauptgewinn. Dieser beträgt vier Millionen Euro pro Serie und wird auf die Zentellose verteilt. Jeder Gewinner-”Décimo” wird also mit 400.000 Euro prämiert. Das Finanzamt behält davon allerdings 20 Prozent ein. Lottogewinne von mehr als 40.000 Euro werden seit 2018 mit diesem Satz besteuert. Die Chance für einen – wenn auch kleineren – Gewinn beträgt 14 Prozent.

(aus MM 50/2021)

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