"Ich war für die so eine Art Maskottchen", meint Wolfgang Heilemann im Rückblick. Kaum einer kennt ABBA so gut wie er. Rund zehn Jahre begleitete der Fotograf, den alle Welt nur "Bubi" nennt, die vier Kult-Schweden. Er, der "Bravo"-Fotograf, der für die Jugendpostille unzählige Titelbilder und "Starschnitte" produzierte. Die 60er und 70er Jahre waren seine große Zeit.

Vor kurzem kam Heilemann mit seiner Frau Renate für ein paar Urlaubstage nach Sa Coma. In den zu Alltours gehörenden Allsun-Hotels Orient Beach und Bahia del Este (Cala Millor) präsentierte er auch seine Multimedia-Show "Mein Leben mit Abba". "Alltours feiert dieses Jahr den 40. Geburtstag, und vor 40 Jahren hat Abba mit ,Waterloo' den Grand Prix gewonnen. So kam die Idee zustande."

Als die Musik-Legende im April 1974 im englischen Seebad Brighton geboren wurde, war "Bubi" dabei. Er machte für die "Bravo" Fotos vom Grand Prix. Das Programm langweilte ihn. So sehr, dass er einmal bei den Proben einschlief. Wach wurde er, als Abba auf der Bühne stand. Man unterhielt sich. "Ich habe mit ihnen um eine Flasche Champagner gewettet, dass sie gewinnen würden. Sie selber waren davon nicht sehr überzeugt."

Doch dann kam es bekanntlich so. Offenbar hatte er ihnen Glück gebracht, wurde zum Maskottchen und hatte fortan immer offene Türen. Wenn allerdings manchmal über Heilemann geschrieben wird, er sei der "offizielle" Abba-Fotograf gewesen, dann stimmt das nicht. Aber immerhin findet man seine Biografie auf der offiziellen Homepage der Band. Da kann man auch lesen, dass "Bubi" seinen maßgeblichen Anteil am Logo der Gruppe (Großbuchstaben, das erste B ist umgedreht). "Ich hatte die vier mit großen Abba-Buchstaben fotografiert und erst hinterher gemerkt, dass ein B umgedreht war. Ich habe Benny und Björn sofort Bescheid gegeben, dass sie die Fotos nicht verwenden könnten." Doch das sahen die Musiker offenbar anders ...

Noch heute hält er Kontakt zu den Schweden, wer aber "Bubi" Heilemann auf Abba reduziert, der tut dem heute 71 Jahre alten Fotografen Unrecht. Er wurde mal "Das ,Auge' der ,Bravo'" genannt und hat so ziemlich alle vor der Linse gehabt, die Teenys früher zum Kreischen gebracht haben. Bay City Rollers, Rolling Stones, Beat-les, Suzi Quatro, Cliff Richard, Deep Purple, Bob Dylan, Sex Pistols, Kiss, Cat Stevens, und, und, und. "Ich habe sie alle kennengelernt. Außer Elvis und Marilyn Monroe." Mit Elvis hatte er sogar schon einen Termin in Memphis. Doch dann dauerte in New York ein Shooting mit Are-tha Franklin zu lange, das Treffen mit dem "King" platzte. "Das war ärgerlich, weil ich Rock'n'Roll-Fan gewesen bin."

Schon der Start Heilemanns in die Karriere als Star-Fotograf war, sieben Jahre vor dem ersten Treffen mit Abba, gespickt mit Musik-Legenden. Er sollte in Hamburg einen in Deutschland völlig unbekannten Künstler ablichten. Vorher flog er noch nach London, traf dort die Easybeats, die damals gerade ihren Hit "Friday on my mind" hatten. Nebenbei fotografierte er noch die jungen Bee Gees, in einem Büro wurden ihm drei "langhaarige Penner" vorgestellt. Eric Clapton, Jack Bruce und Ginger Baker, die sich gerade zu Cream formiert hatten. "Bubi" machte Bilder, und obwohl alle in Deutschland keinen Namen hatten, gelang es ihm, die Fotos in der "Bravo" unterzubringen. Ach ja: Auch die Bilder vom Fototermin in Hamburg, wo er einen "zotteligen Schwarzen" ablichten sollte, fanden den Weg ins Blatt. Es handelte sich um Jimi Hendrix. "Da war ich dann im Geschäft", erinnert sich Heilemann.

Fotografieren kann Heilemann heute nicht mehr. Die Augen sind zu schlecht. Aber er verkauft seine alten Werke immer noch übers Internet, auch Zeitungen und Zeitschriften drucken sie weiterhin. Und dann hat er in München noch einen Laden für Karaoke-Anlagen - den betreibt er gemeinsam mit dem einstigen Sänger der Bay City Rollers, Leslie McKeown.

(aus MM 24/2014)