Prinzip Hoffnung – das Neujahrskonzert des Balearen-Orchesters im Kongresspalast

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Das Foto zur Kritik: Pablo Mielgo dirigiert das Publikum zum Mitklatschen beim Radetzky-Marsch.

Das Foto zur Kritik: Pablo Mielgo dirigiert das Publikum zum Mitklatschen beim Radetzky-Marsch.

Foto: Martin Müller

Draußen war Corona, und drinnen, im großen Saal des Palau de Congressos war Concierto, das Neujahrskonzert unserer Sinfoniker unter ihrem Chefdirigenten Pablo Mielgo. Das Virus musste draußen bleiben, dafür sorgte die 3G-Regelung. Und so konnten die zahlreichen Zuschauer entspannt genießen, was Orchester und Dirigent aus ihrer Wundertüte packten.

Der Abend war fast ausschließlich Johann Strauss (dem Sohn) gewidmet. Das einzige Stück, das nicht aus der Strauss-Dynastie stammte, gab’s gleich am Anfang: die Ouvertüre zu den „Lustigen Weibern von Windsor“ von Otto Nicolai.

Hier wurden die Weichen für den weiteren Konzertverlauf gestellt: unbeschwerte Heiterkeit hieß das Motto. „Esperanza“ in schwierigen Zeiten, wie Pablo Mielgo, der an diesem Abend auch als launiger Conférencier glänzte, ankündigte. Er dankte dem Publikum dafür, „dass Sie diesen Abend mit uns teilen“. Dabei sind wir es, die zu danken haben: für über 100 Konzerte seit Pandemiebeginn; einzig in Europa, während in Deutschland die Musikliebhaber nur sehnsüchtig (und auch etwas neidisch) auf Mallorca blicken konnten und selbst, in München, in Berlin, in Hamburg, in Stuttgart vor geschlossenen Konzertsälen standen. „Unsere“ Sinfoniker haben uns die ganze Zeit über nie im Stich gelassen.

Nach den „lustigen Weibern“ ging’s weiter mit der „Elektrisch Polka“ von Eduard Strauss und den „G’schichten aus dem Wienerwald“ (ohne die Zither als Soloinstrument, was kein Verlust war). Nach der „Neuen Pizzikato-Polka“ kam das Orchester dann mit „Perpetuum mobile“ richtig in Fahrt. „Et cetera, et cetera et cetera“ rief ein Bratscher am Schluss, scheinbar gelangweilt. Aber die Langeweile war natürlich gespielt: zu keiner Zeit kam der Eindruck auf, Orchester und Dirigent spulten nur routiniert ihr Programm ab.

Wer am Vormittag das Neujahrskonzert aus Wien im Fernsehen verfolgt hatte, dem musste das besonders auffallen. Hatte dort Daniel Barenboim doch eher wie ein pflichtbewusster Sachwalter der Partituren gewirkt, so explodierten hier die Musiker förmlich vor Spielfreude und Elan.

Und auch die österreichische Art, einen Walzer zu zählen, hatten sie drauf. Die Wiener zählen kein zackiges Eins-zwei-drei, sondern gemächlich und ein wenig g’schlampig „eins – zwei … und vielleicht drei“. Darauf beruht der Charme der Wiener Walzer. Der Fama nach muss man dazu mit Wiener Heurigem großgeworden sein, doch die Balearenmusiker bewiesen, dass sie durchaus auch Gewächse aus Santa Maria, Felanitx oder Binissalem dazu in die Lage versetzen können…

Vor der Tritsch-Tratsch-Polka am Ende des ersten Teils erklang der berühmte Kaiserwalzer. Den kann man als Abgesang auf die k. und k. Monarchie dirigieren, wie das zum Beispiel Bruno Walter getan hat. Dann wirkt er etwas wehmütig. Aber an diesem Abend hatte Wehmut keinen Platz, und so erklang der „Vals de l’Emperador“ strahlend majestätisch.

Nach der Pause ging’s dann ungarisch mit dem Csárdás aus „Ritter Pásmán“ weiter – ein Hauch von Puszta erfüllte den Saal. Die Schützen-Quadrille und der Walzer „1001 Nacht“ waren weitere Stationen auf der Reise durch die wunderbare Welt Johann Strauss‘. Und in der Polka „Unter Donner und Blitz“ konnte das Orchester noch einmal alle Register ziehen. Das donnerte und blitzte wirklich fulminant, das Publikum wartete das Ende gar nicht erst ab, bevor es stürmisch applaudierte.

Der Zugabenteil war eine Referenz an die Wiener Kollegen: Donauwalzer einschließlich „Prosit Neujahr“ (hier heißt das „Feliz año nuevo“) und – der Radetzky-Marsch zum Mitklatschen. Standing ovations, minutenlang, und die Vorfreude auf weitere Konzerte der Temporada 2021-22.

Das nächste ist schon am 21. Januar im Trui Teatre. Da wird das Orchester dann unter der Stabführung von Lina Gonzales und mit der Pianistin Judith Jáuregui die Fantasieouvertüre „Romeo und Julia“ von Tschaikowsky, das Grieg-Klavierkonzert und „Scheherazade“ von Rimski-Korsakov spielen. Weitere Highlights der Saison werden unter anderem Mahlers Sechste (17.2. im Auditorium), die Alpensinfonie von Richard Strauss (10.03. im Auditorium) – beide unter Pablo Mielgo -, Vivaldis „4 Jahreszeiten“ und Schuberts Fünfte (24.03. im Trui Teatre unter Jonathan Cohen) und das 2. Klavierkonzert von Rachmaninov (21.04. im Trui Teatre mit dem Pianisten Bezhoud Abduraimov, Leitung Mielgo) sein. Viel Grund zur Freude also.

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