Der junge Geigenvirtuose Stephen Waarts begeisterte das Publikum mit Korngolds Violinkonzert.

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Neben etablierten Größen der Klassik-Szene (in den letzten Jahren waren, um nur einige zu nennen, Stars wie Khatja Buniatishvili, Lise de la Salle, Gerhard Oppitz, Christian Zacharias, Frank Peter Zimmermann zu Gast) laden die Balearen-Sinfoniker immer wieder auch junge Künstler ein, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen. Die jüngste war vor einigen Wochen die 14-jährige Alexanda Dovgan. Gestern Abend nun durfte der 26-jährige Geiger Stephen Waarts im Trui Teatre unter der Leitung von Marcus Bosch sein Können unter Beweis stellen. Dass ein Auftritt mit dem Balearen-Sinfonieorchester mittlerweile eine respektable Sprosse auf der Karriereleiter ist, mag daran ersichtlich sein, dass die Konzerte längst auf bachtrack.com angekündigt werden, einem internationalen Portal für klassische Musik, das alle Events von Rang und Namen zwischen Chicago und Tokio, zwischen Carnegie Hall und Elbphilharmonie listet.

Stepehn Waarts, gebürtiger Amerikaner und Gewinnen mehrerer internationaler Wettbewerbe, hatte sich für sein Palma-Debüt das Violinkonzert D-dur , op. 35, von Erich Wolfgang Korngold ausgesucht. Den bringt man meist mit seiner Oper „Die tote Stadt“ in Verbindung, aber er hat auch das sinfonische Repertoire mit mehreren Werken bereichert. Korngold machte in den USA zunächst als Filmkomponist (2 Oscars) von sich reden, war auch der Operette nicht abgeneigt (Bearbeitungen der „Fledermaus“ und der „Schönen Helena“) und scherte sich wenig um das, was in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als sogenannte „Neue Musik“ die Szene revolutionieren wollte. (In seinen „Vier kleinen Karikaturen für Kinder“, op. 19, spottete er offen über Schönberg, Bartok und Hindemith!). Er liebte Eigenzitate. So verwendete er auch in seinem Violinkonzert frühere Einfälle aus diversen Filmmusiken. Mit dem Solisten Jascha Heifetz und dem Dirigenten Vladimir Golschmann erntete das Werk bei seiner Uraufführung 1947 den Beifall des Publikums – und wurde von der Kritik, wie alles was nicht „neutönerisch“ genug daherkam, verrissen. Es ist geprägt von einem überaus sanglichen Melos, der Komponist sprach davon, dass es eher ein Werk „für Caruso als für Paganini“ sei. Das Soloinstrument steht im Mittelpunkt, das Orchester, obwohl groß besetzt, liefert nur die Folie, vor der der Solist, stellenweise fast monologisierend, den größtmöglichen Wohlklang aus seinem Instrument herausholen kann. Stephen Waarts wurde dieser Anforderung in hohem Maße gerecht. In den hohen Lagen verzauberte sein Klang, einer silberhellen Vogelstimme gleich, das Publikum dermaßen, dass es mit dem Applaus nicht bis zum Schluss warten mochte und bereits nach dem ersten Satz (Moderato nobile und wirklich nobel gespielt) in hörbare Begeisterung ausbrach. Virtuoser Höhepunkt war das Finale, danach kannte der Jubel keine Grenzen mehr.

Eingeleitet wurde der Abend mit Mendelssohns Märchenouvertüre „Die schöne Melusine“, im besten Sinne erzählender Musik, der sogar Wagner, bekanntlich kein Freund des Juden Mendelssohn, originelle „Klanglandschaften“ zugehstehen musste. Gastdirigent Marcus Bosch bot sie transparent und präzise akzentuiert.

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Nach der Pause stand mit der Rosenkavalier-Suite von Richard Strauss ein Werk auf dem Programm, das man spätestens nach den ersten vier Tönen, wenn nicht sogar schon mit dem ersten, erkennt. Es ist eine großartige orchestrale Zusammenfassung der Hauptmelodien, vor allem der Walzer, aus der gleichnamigen Oper. Mit rein instrumentalen Mitteln entführt es den Hörer in die Welt Hugo von Hoffmannsthals, der das Libretto schrieb, in eine Welt, die im Wien des 18. Jahrhunderts angesiedelt ist und der Strauss mit einem – wie könnte es anders sein - gigantischen Orchesterapparat nostalgisch huldigt. In der Suite fällt der Oboe die Aufgabe zu, die menschliche Stimme zu ersetzen. So war Javier Arnal, der Solooboist des OSIB, fast der wichtigste Mann des Abends und wurde entsprechend beim Schlussapplaus vom Dirigenten hervorgehoben, ebenso wie die Hörner, die in den vielen wirklich heiklen Passagen, die Strauss ihnen zugedacht hatte, Großartiges geleistet hatten.

Marcus Bosch hatte eher auf Tempo und rhythmische Dynamik als auf „Wiener Schmelz“ gesetzt, das Stück endete bereits nach 21 Minuten (zum Vergleich: Andris Nelsons lässt sich 25 Minuten Zeit, ebenso Mariss Jansons und Christoph Eschenbach) mit einer fulminanten Klangexplosion.

Am 5. Mai setzt sich die Aboreihe im Auditorium fort. Unter der Leitung von Pablo Mielgo wird die Sopranistin Ailyn Pérez das Publikum in die Opernwelt von Granados, Massenet, Verdi und Puccini entführen.