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Es sieht so frisch und rot und verlockend aus, wenn es in Mallorcas Fischmärkten ausliegt. Das Fleisch vom Roten Thunfisch, das beim Erhitzen übrigens dunkel bleibt, lässt einem das Wasser im Munde zusammenlaufen. Doch ach, man sah es in den letzten Jahren allzu selten...


Das wird sich schon bald ändern. Denn die Besitzer von genau 106 balearischen Fischerbooten dürfen bis zum 31. Oktober insgesamt 28 Tonnen des äußerst schmackhaften, aber bei etwa 25 Euro pro Kilogramm auch alles andere als billigen Fischs aus dem Meer holen. Das entspricht 270 Kilogramm pro Boot, was nicht einfach nur ein simples Zubrot ist, sondern ein durchaus erklecklicher Extraverdienst. Im Großhandel etwa in Japan, dem Thunfischliebhaberland schlechthin, kann ein mehrere 100 Kilogramm schweres Exemplar richtig Geld in die Kasse spülen: Im letzten Januar etwa hatte im weltberühmten Fischmarkt Tsukiji ein Thunfisch für satte 270.000 Euro den Besitzer gewechselt, 2017 waren dort sogar noch höhere Preise gezahlt worden.


Dass die kleinen Inselfischer endlich vom Thunfisch-Boom profitieren können, entschied jüngst das Landes-Umweltministerium nach längeren Verhandlungen mit der spanischen Zentralregierung in Madrid. Zuvor hatte die Internationale Kommission zum Schutz des Thunfischs namens Iccat die Fangquoten erhöht.


„Das liegt daran, dass sich die Bestände seit den Jahren 2006 und 2007, als die Lage sehr schlecht war, deutlich erholt haben”, so Antoni Garau, Chef des Balearischen Fischereiverbandes, zu MM. Das sieht auch die Tierschutzorganisation WWF so, wobei diese einschränkt, dass sich die Zahl der Exemplare nur bei der Unterart im Ostatlantik und im Mittelmeer spürbar erhöht habe. „Den pazifischen Roten Thunfischen und den im West-Atlantik verbreiteten geht es dagegen nicht so gut”, sagt Raúl García, der Thunfisch-Experte vom WWF Spanien. „Wir unterstützen ausdrücklich die Entscheidung der balearischen Behörden, den kleinen Fischern zu erlauben, rund um die Inseln diese Tiere aus dem Meer zu holen, zumal dies die thunfischreichste Region im Mittelmeer ist.”
In den letzten Jahren sei es üblich gewesen, dass vor allem Fischer großer internationaler Fangflotten die wenigen „Thunnus-thynnus”-Exemplare, die sie fangen durften, aus dem Meer holten. „Die wurden dann von etwa 30 Prozent der Schiffe zu sogenannten Thunfischfarmen gebracht, wo sie für den späteren Verzehr vor allem in Japan gemästet wurden”, so Raúl García weiter. Weitere 30 Prozent sicherten sich die Mitglieder der in Cádiz stationierten Fischereiflotte und weitere 30 Prozent die der baskischen Flotte. „Es ist eine Frage der sozialen Gerechtigkeit, dass jetzt die Kleinen endlich zum Zuge kommen.”
Als das noch nicht so war, sei kaum Fleisch vom Roten Thunfisch in den Inselmärkten angeboten worden und in die Restaurants gelangt. Bald jedoch kann man dieses - so man nicht allzu arm ist - wieder als Steak, roh als Sushi oder als „Ración” im Tapas-Rahmen bedenkenlos vertilgen.


Auch wegen eines anderen Aspektes unterstützt der WWF den Fang des Roten Thunfischs rund um Mallorca: „Damit wird das natürliche Gleichgewicht beibehalten”, so Raúl García. Laut Fischerei-Chef Antoni Garau machen sich die meterlangen und in Einzelfällen bis zu 700 Kilogramm schweren Kolosse mit Vorliebe über die ebenfalls in Spanien so beliebten Sardinen und Sardellen her. „Bei einer steigenden Zahl von Thunfischen geht deren Menge nach unten.”


Antoni Garau fordert die Fischliebhaber unter den deutschen Residenten und Urlaubern denn auch ausdrücklich auf, guten Gewissens auf den Markt zu gehen, roten Thun zu kaufen und ihn sich dann nach Lust und Laune schmecken zu lassen. „Damit helfen Sie den kleinen Fischern dieser unserer Inseln.”