Wie eine Familie aus dem Ruhrgebiet Mallorca umsegelt

| Mallorca |

Der voll ausgestattete Katamaran kann ab September auch gechartet werden.

Nach 22 Stunden Bootsfahrt erreichen die Rölkers endlich ihr langersehntes Ziel: Mallorca. Die vierköpfige Familie aus Gladbeck musste ihr„schwimmendes Heim”, wie sie es selbst liebevoll nennt, nämlich erst einmal aus dem Hafen in Almerimar in Südspanien abholen. „Wir haben die Nacht abwechselnd durchgesteuert und sind ziemlich müde. Aber es hat sich wie immer gelohnt. Also, herzlich willkommen an Bord unserer ,Kirlana’”.

Thomas Rölker, seine Frau Kathrin und die beiden Kinder Kiran und Solana sind richtige Abenteurer. So verbrachten sie schon mehrere Monate am Stück an Bord ihres Katamarans. Auch damals waren Mallorca und die Nachbarinseln eines der Lieblingsreiseziele. Dafür legte Kathrin, die in Deutschland als Lehrerin arbeitet, ein Sabbatjahr ein. Die Idee, eine längere Zeit auszusteigen, kam Thomas und Kathrin Rölker vor einigen Jahren. „Bereits vor der Geburt unserer Kinder reisten wir viel durch die Welt. So stand schon immer fest, dass wir Deutschland irgendwann eine Weile verlassen und einen anderen Lebensstil erleben wollen”, erzählt Kathrin Rölker.

Da ihr Ehemann Thomas als Unternehmensberater selbstständig ist und von überall aus arbeiten kann, war die Familie mehr oder weniger flexibel. Denn: Zunächst musste noch eine Einigung mit der Schule der Kinder getroffen werden, um „Homeschooling”, also Unterricht zu Hause möglich zu machen. „Nachdem wir diverse Anträge stellen mussten, haben wir dann von der Schule das O. K. bekommen”, erklärt Kathrin Rölker. Nur, wie die Auszeit ablaufen sollte, war zunächst unklar. „In den vergangenen Urlauben stellten wir sowohl in Griechenland als auch in Spanien immer wieder fest, dass die schönsten Orte fast immer nur mit dem Boot erreicht werden konnten. Also kam uns die Idee im Sommerurlaub 2017 auf Korfu: Wieso nicht auf einem eigenen Boot die Welt entdecken?”

Gesagt, getan. Nun musste nur noch ein entsprechendes Objekt für das Vorhaben gefunden werden. „Ein Boot, auf dem jeder Freiraum für sich selber, und man sich nach einer langen Reise noch lieb hat”, erklärt Thomas Rölker lachend. Es zogen einige Monate ins Land, denn die Suche nach einem idealen Schiff gestaltete sich zunächst schwierig. Im März 2019 war es dann endlich soweit: Die Familie erwarb ihren Katamaran von einem niederländischen Ehepaar aus Amsterdam. Getauft wurde er zu Ehren der Kinder. „Kirlana ist ein Wortspiel aus Kiran und Solana”, erklärt die Lehrerin.

Auch die heranwachsenden Familienmitglieder sind vom Leben an Bord begeistert. „Die wollen eigentlich gar nicht mehr aufs Festland”, sagt Kathrin Rölker. Die Kinder blühten an Bord auf, jedes hat seine Aufgabe. „Kiran hilft mir beim Anlegen und kann auch das motorbetriebene Schlauchboot ohne Probleme bedienen. Das Ein- und Ausparken klappt immer besser”, erzählt Thomas Rölker stolz. In diversen Häfen haben die Geschwister zudem Freundschaften mit Kindern aus der ganzen Welt geschlossen.

Der erste lange Segeltörn fand schließlich im August 2019 statt. Das Ziel: die Küste Südspaniens. Von Cartagena aus ging es dann weiter in Richtung Ibiza, gefolgt von Formentera und Mallorca. Nach mehreren Wochen an Bord wollten die Rölkers dann auf dem spanischen Festland überwintern.

Nach einigen Reisen und Kurztripps ohne Boot wollte die Familie sich dann wieder im März 2020 auf ihrem Katamaran vereinen: Thomas Rölker war noch beruflich unterwegs, Kathrin und die Kinder wollten vorfliegen. Doch die Corona-Pandemie brachte die Reisepläne der jungen Familie durcheinander. „Im Endeffekt entschieden wir uns dazu, die ersten Wochen den Lockdown in Deutschland zu verbringen. Wir saßen aber wie auf heißen Kohlen und konnten es kaum erwarten, wieder nach Spanien zu kommen”, bestätigt Kathrin Rölker.

Ende Mai sollte es dann so weit sein: Die Familie machte sich trotz strenger Grenzkontrollen in Frankreich mit dem Auto in Richtung Spanien auf. Nach einigen Komplikationen kamen die vier glücklich am Heimathafen ihres Katamarans inAlmerimaran. „Nachdem wir dann das Boot klar gemacht hatten, ging es nach acht Monaten Pause endlich wieder los. Unser erstes Ziel: die schöne Bucht des Naturschutzgebiets Cabo de Gata.”

Bis Ende August sind die Gladbecker noch auf dem Mittelmeer unterwegs. Ab September kann der Katamaran gechartet werden. 2022 planen die vier ein weiteres Jahr auf dem Boot zu verbringen. Dann soll es auch wieder quer durch das spanische Mittelmeer gehen. „Vor allem die Balearen sind wie unsere zweite Heimat. Eine Auswanderung ist nicht ausgeschlossen”, sagt Thomas Rölker. Allerdings sind sich alle vier Familienmitglieder einig: So ein Freiheitsgefühl wie auf offener See, ist an Land schwer zu finden.

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