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Es gibt Winkel in der Altstadt von Palma, die einen im Nu aus dem toxischen Straßengewusel herausholen und in eine gelassene Stimmung versetzen. Die Plaça Quadrado ist so ein Ort. Setzt man sich dort auf eine der Bänke und richtet den Blick auf eine der vielen im leichten Wind rauschenden Bäume, fühlt man sich bemüßigt, ein Buch zu lesen oder gar ein Bild zu malen. Man wird energetisch aufgeladen.

Und das umso mehr, da kaum mehr Fahrgeräusche zu vernehmen sind. Die Stadtverwaltung hat dieses lauschige Areal nämlich in eine autofreie Zone umgewandelt. Standen hier rund um den Platz noch vor wenigen Tagen dicht an dicht die Pkw, so befinden sich dort jetzt eine ganze Reihe von Schildern, die das Abstellen von Fahrzeugen ausdrücklich verbieten. Das Grundrauschen der Motoren ist weg.

Das nun aufgeräumte und fühlbar luftigere Ambiente kommt dem Ensemble aus Platz und umliegenden Häusern zugute. Das empfindet man auch im Jugend-Hostel Josemari so, das sich gegenüber von einer Ecke des Platzes befindet. „Das ist schon angenehm”, sagt eine Mitarbeiterin. Aus der Herberge tönt leises Klaviergeklimper, was bei Fahrlärm selbstredend nicht zu hören wäre. Die Anwohnerin Neus Coll empfindet die Entfernung der Autos ebenfalls als betörend: „Die haben gestört”, sagt sie. Die Palmesanerin sitzt auf einer Bank und lauscht fast andächtig dem Rauschen der Blätter. „Jetzt muss nur noch die Laterne in der Mitte von Graffiti befreit werden.”

Der unübersehbare schwarze Lichtspender passt stilistisch bestens zum wuchtigen, 1904 errichteten denkmalgeschützten Eckhaus Can Barceló. „Dieses gehörte einem Textilindustriellen, der Kachel-Ensembles anbringen ließ, die Kunstszenen darstellen”, weiß Xavier Terrasa von der Denkmalschutzorganisation Arca. „Sie sind ein beeindruckendes Zeugnis des Jugendstils in Palma.”

Nicht faszinierend wirkt das verkommene Gebäude schräg gegenüber, das sogenannte Can Serra. „Dieses ist ebenfalls denkmalgeschützt und gehört der Stadt Palma”, sagt Xavier Terrasa. Der an den Platz grenzende Teil des Hauses stammt aus dem 19. Jahrhundert, ist unbewohnt und teils zugemauert. „Einen Plan dafür hat die Kommune nicht.” Der hintere Teil jedoch, der an eine Nebenstraße grenzt, ist dem Experten zufolge gotischen Ursprungs. Er wünscht sich innig, dass das mit Graffiti beschmierte Gebäude renoviert wird.

Alles, was sonst noch rund um den Platz steht, ist bestens in Schuss. Besonders einige Altbauten mit schicken Eigentumswohnungen stechen ins Auge. Auch ein Designbüro. All dies wurde errichtet, nachdem rund um den Platz Mitte des 19. Jahrhunderts ein großes Kloster abgerissen worden war.

Ein bisschen abseits in einer Gasse, die zur Plaça Sant Francesc führt, befindet sich das Boutique-Hotel Basilica. Dieses verleiht der ganzen Gegend einen vornehmen, fast an Ecken der Innenstadt von Paris erinnernden Charme. Das ebenfalls in einem Altbau untergebrachte Hotel Sant Francesc verstärkt dieses Flair noch. Die mediterrane Würze strömt von den Palmen auf dem Platz und vom italienischen Restaurant Osteria herüber und reichert das Pariser Ambiente auf eine ganz eigene Weise an.

Die grüne Miniaturlunge in der Altstadt heißt übrigens nicht so, weil sie quadratisch ist (sie ist rechteckig). Sie erinnert an Josep Maria Quadrado, einen menorquinischen Historiker und Schriftsteller, der von 1819 bis 1896 lebte und viele Jahre in Palma wohnte.