Zweitimmobilienbesitzer strömen an Weihnachten auf die Insel

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Das Lichtermeer am Passeig des Born in Palmas Innenstadt ist vielen Menschen ein Foto wert.

Das Lichtermeer am Passeig des Born in Palmas Innenstadt ist vielen Menschen ein Foto wert.

Foto: Patricia Lozano

Bettina Prinzessin Wittgenstein kommt seit 30 Jahren immer wieder nach Mallorca. Seit mehr als zehn Jahren besitzt sie ein Haus auf der Insel. Besonders schön findet die Hamburgerin, für das Weihnachtsfest ans Mittelmeer zu fliegen. „Hier kann ich mittags bei 16 Grad draußen sitzen.” Bettina Prinzessin Wittgenstein nennt das den „Pequeño verano”, kleiner Sommer.

Wie ihr dürfte es vielen Zweithausbesitzern und temporären Residenten gehen. Sie reisen trotz steigender Corona-Fallzahlen in Deutschland und Spanien nach Mallorca, um die Weihnachtsfeiertage am Meer zu verbringen. Und um auf Weihnachtsmärkte „Made in Spain“ zu gehen. Einige, wie der im Pueblo Español in Palma und der in Puerto Portals laden auch an den Feiertagen selbst sowie danach ein. Diejenigen, die keine Immobilie besitzen, können in einem der gut 100 Hotels unterkommen, die trotz Nebensaison geöffnet haben.

Wie viele Deutsche genau zum Fest nach Mallorca kommen, vermag niemand so richtig zu beziffern. Der Immobilienunternehmer Lutz Minkner vermutet, dass „sehr viele kommen“. Für das Fest anzureisen, habe Tradition. „Unsere Kunden möchten schön essen gehen und ein bisschen über die Insel fahren“, sagt der 73-Jährige. Viele kämen mit Kindern, Geschwistern, Enkeln.

Minkner kennt niemanden, der nicht geimpft sei, so dass bei An- und Abreise keine Probleme aufkommen dürften. Auch wenn die deutsche Regierung ganz Spanien am Freitag, 24. Dezember, wegen hoher Inzidenz (S. 7) als Hochrisikogebiet einstufen sollte, hat das für Menschen mit vollständigem Impfschutz kaum Auswirkungen. Sie müssten dann lediglich die digitale Einreiseanmeldung ausfüllen. Ungeimpften droht bei Rückkehr in die Bundesrepublik Quarantäne.

Vom deutschen Reisekonzern Tui heißt es, dass Mallorca zum Jahreswechsel bei Kunden gefragt sei. Zahlen nannte das Unternehmen nicht. Insbesondere Hotels an der Playa de Palma seien gut besucht. Viele Buchungen gebe es auch für den Robinson-Club an der Cala Serena in Cala d’Or im Südosten der Insel. Dort seien über Weihnachten nur wenige Zimmer frei. Für Silvester gebe es nahezu keine Kapazitäten mehr.

Im Vergleich zu Weihnachten und Silvester 2019 – als Corona noch nicht um die Welt ging – fällt die Zahl der Buchungen bei Schauinsland-Reisen um 40 Prozent geringer aus. Auch habe sich keine nennenswerte Last-Minute-Nachfrage ergeben, teilt das Unternehmen aus Duisburg mit. Eine Sprecherin vermutet, dass die Unsicherheit wegen der Omikron-Variante zu groß sei. Schauinsland bezog in die Bewertung Pauschalangebote für die Zeit zwischen 24. und 31. Dezember ein.

Bei Alltours, nach Betten Marktführer auf Mallorca, ist die Lage nach eigenen Angaben besser als im Vorjahr. Ein Sprecher sagte: „Der Nachholbedarf ist groß, wir bewegen uns in Richtung Vorkrisenniveau.“

Kaum jemand kennt die deutsche Community auf Mallorca so gut wie Doris Kirch. Die 58-Jährige sieht Zweitwohnungsbesitzer bei der derzeit angespannten Corona-Lage im Vorteil gegenüber Hotelurlaubern. „Sie fühlen sich direkt zu Hause und vor dem Virus geschützt.” Kirch berät Menschen, die planen, komplett nach Mallorca zu ziehen und hilft ihnen bei Behördengängen. Trotz der Feiertage betreut Kirch viele Kunden. Die Ausländerbehörde habe auch zwischen den Jahren geöffnet, so dass für sie ein paar Termine anstünden.

Wenn Bettina Prinzessin Wittgenstein an Weihnachten auf Mallorca weilt, schlendert sie gerne über Weihnachtsmärkte. Der 61-Jährigen gefallen besonders handwerklich gestaltete Dekorationen und Krippen. Am Paseo del Borne in Palmas Innenstadt bestaunt sie immer wieder das Lichtermeer. Besinnlich wird es für sie, wenn sie mit Familie und Freunden gemeinsam zu Abend isst – und sich danach alle vor einen offenen Kamin setzen.

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