Strahlende Kinderaugen gehören zum Fest wie der Weihnachtsbaum. | tco

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Der folgende Text ist der MM-Kolumne "Unter vier Augen" von Talia Christa Oberbacher entnommen. Die Autorin ist Hypnose-Therapeutin und Coach in der Palma Clinic auf Mallorca.

Frei nach Karl Valentin, der einst sagte: „Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen“, möchte ich Ihnen heute etwas über Weihnachten erzählen.Ich bekenne, dass ich Weihnachten liebe. Das Funkeln und Leuchten überall. Auch wenn ich mittlerweile keinen Weihnachtsbaum mehr aufstelle (naja, ich könnte schon mal wieder), beschleicht mich in dieser Zeit so ein warmes Gefühl, und ich freue mich auf Mr. Scrooge, Pippi Langstrumpf, vor allem auf George Bailey in dem Klassiker „Ist das Leben nicht schön“. Und überall läuft irgendwann die Geschichte vom Aschenbrödel mit der lieblichen Musik von Karel Svoboda, die ganze Generationen von kleinen und großen Mädchen (und sicher auch Jungs, auch wenn sie es niemals zugeben würden) verzaubert hat. Ich freue mich darauf, zur Ruhe zu kommen, Luft zu holen von vielen Herausforderungen, die das Jahr so mit sich gebracht hat.

Eine meiner liebsten Weihnachtserinnerungen ist die unglaubliche Wortschöpfung der damals 2,5-jährigen Tochter meiner lieben Freundin Anja. Mit leuchtenden Augen stand die kleine Antonia vor dem geschmückten und strahlenden Baum und sagte es: „Weininibaum“. Immer und immer wieder wiederholte die Kleine das Wort und zeigte mit ihren Fingerchen auf den Baum, während sie sich ganz aufgeregt hin und her drehte, um ganz sicher zu sein, dass wir dieses Wunderwerk auch ausreichend bestaunten. Dieser Moment ist bis heute für mich untrennbar mit dem Zauber von Weihnachten verbunden. Beim letzten Besuch darauf angesprochen, schaute die mittlerweile junge Dame mich ungläubig an und konnte sich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern, während ihre Mutter und ich schon wieder mit glänzenden Augen von diesem berührenden Augenblick schwärmten.

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Wie bei vielen von Ihnen, gab es auch in meiner Kindheit zu Weihnachten einige feste Rituale. Meine Mutter stellte den kleinen Tannenbaum (Nordmann natürlich, der rieselt nicht so) stets selbst auf und schmückte ihn liebevoll. Mit Kugeln und Lametta und einer Lichterkette. (Nachdem wir einmal mit duftenden Honigkerzen nicht nur den Baum, sondern fast unser ganzes Wohnzimmer abgefackelt hatten, gab es keine Diskussionen mehr über echte Kerzen). Beim Schmücken, und auch während des ganzen Abends, wiederholte meine Mutter immer wieder, wie schön das Bäumchen doch sei. Das Festessen war ebenfalls vorgegeben und lief fast immer ab wie folgt. Heiligabend sollte es Hühnersuppe mit Reis geben. Am ersten Weihnachtstag dann den fachmännisch selbst eingelegten Sauerbraten mit Klößen und Bohnensalat (übrigens stamme ich aus dem Ruhrgebiet, und mir ist nie zu Ohren gekommen, dass es sich hierbei um ein klassisches lokales Weihnachtsmenü handelt, was dem Ganzen aber keinen Abbruch tat). Nun wurde also am 24. die Hühnersuppe serviert, und einer meiner Brüder (da gab es keine feste Reihenfolge) fragte ganz beiläufig, ob denn eigentlich der Sauerbraten schon fertig sei. Meine Mutter grinste verschmitzt und sagte, „Ja, aber den gibt es erst morgen!“ Dann fragte mein Bruder weiter, ob es denn eine Möglichkeit gäbe, den feinen Braten zu probieren. Daraufhin runzelte meine Mutter (kurz) die Stirn und sagte, dass es ja noch keine Klöße gäbe. Woraufhin dann alle Anwesenden mit großen und bittenden Augen meine Mutter ansahen, bis diese sich erhob und sagte, dass sie ja eben ein paar machen könne. Sie ahnen es, das Ende vom Lied war, dass wir den halben Weihnachtsbraten nebst Beilagen verschmausten, um dann irgendwann satt und zufrieden auf den weiteren Ablauf des Abends zu warten. Es gab nach dem Essen natürlich die Bescherung. So eine Freude, wenn meine Brüder ihre neuen Socken und Unterhosen auspacken durften und ich meinen neuen Schlafanzug. Besonders viel Fantasie hatte meine Mutter nicht beim Auswählen der Geschenke, aber sie kamen immer von Herzen. Als Jüngste hatte ich das Glück, oft noch ein Spielzeug dazuzubekommen, während meine Brüder mit Dominosteinen und Marzipankartoffeln versorgt wurden. Es gibt sicher opulentere Arten, Weihnachten zu feiern, aber ich denke wirklich gerne an diese Abende zurück, auch wenn es dann irgendwann den obligatorischen Weihnachtsstreit am Tisch gab. Zum Glück nie ernsthaft böse und nie nachhaltig.

Was ich bis heute wirklich bewundere und selten in anderen Familien so erlebt habe, war die Haltung meiner Mutter zu Weihnachten. Sie hatte ein großes, offenes Herz für Menschen und gerade an diesen Tagen stand auch unsere Wohnung immer offen. So durften sowohl meine Brüder, als auch ich, unsere jeweiligen Liebschaften gerne mitbringen, selbst wenn die Beziehungen längst Geschichte waren. Auch Freunde und sogar weitläufige Bekannte, die ansonsten alleine zu Hause gewesen wären, waren gern gesehen. Manchmal waren diese Besuche sehr kurzfristig, und auch dann blieb meine Mutter ganz entspannt, machte ein paar Klöße mehr und freute sich über die Gäste. Diese Offenheit und Toleranz habe ich immer sehr geschätzt und vielleicht hat ein bisschen davon auf mich abgefärbt. Auch ich habe Heiligabende verbracht, an denen ich mit Menschen unterschiedlichster Kulturen und Haltungen zur Geschichte von Weihnachten gegessen und erzählt habe, und fand es immer spannend, etwas über deren Erfahrungen mit dieser besonderen Zeit zu erfahren.

In diesem Jahr wird Weihnachten wieder für viele von uns Trennung von zu Hause bedeuten, vielleicht wird es weniger Möglichkeiten geben, sich persönlich zu sehen, sich zu umarmen und zusammen zu essen. Die aktuelle Situation ist für sehr viele Menschen eine große Herausforderung, und wir können nur gemeinsam schauen, wie wir das Beste daraus machen. Trotz allem Schwierigen ist es doch ein Glück, dass wir heute die technischen Möglichkeiten haben, quer durch die Welt zu telefonieren und uns per Videostream dabei sogar zu sehen. Natürlich ist es kein Ersatz für das persönliche Beisammensein, aber es kann doch helfen, in Kontakt zu bleiben. So könnte es schön sein, das Familienmitglied, das jetzt gerade am anderen Ende der Welt oder auch nur ein paar Straßen weiter sitzt und nicht kommen kann, mag oder will, per Video über den Bildschirm von PC, Tablet oder Handy am Geschehen teilhaben zu lassen. Wie heißt es doch: „Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen.“

Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben eine friedliche Weihnachtszeit voller Toleranz und Mitgefühl für die eigenen Ängste und Sorgen und für die der Anderen. Und sollte Weihnachten für Sie keine große Bedeutung haben, so ist es doch eine Zeit, in der sehr viele Menschen überall auf diesem Planeten zusammen sind und gemeinsam feiern, und wenn Sie mögen, lassen Sie sich von diesem „Weinini-Zauber“ ein wenig berühren.