Previous Next
0

Betritt man die Konditorei Forn des Teatre, steigt einem direkt der Duft von frisch gebackenem Brot in die Nase. In den Schaufenstern reiht sich eine Köstlichkeit an die andere: Empanadas (gefüllte Teigtaschen), mallorquinische Coca (mit Gemüse belegtes, Pizza ähnliches Gebäck), bunte Sahnetörtchen, Ensaïmadas und mit Schokolade überzogene Teilchen.

Die Bäckerei in Palma hat sowohl bei Einheimischen als auch bei ausländischen Besuchern Kultstatus. Nahezu jeder, der durch die Innenstadt bummelt, läuft irgendwann einmal an dem denkmalgeschützten Jugendstilhaus mit seinen floralen Ornamenten vorbei. Doch die traditionelle Panadería an der Plaça Weyler 9 musste im Frühjahr 2017 geschlossen werden. Der damalige Besitzer Francesc Catafell sah sich aufgrund einer Mieterhöhung gezwungen, die Bäckerei aufzugeben. Danach stand der wohl meistfotografierte „Forn” in Palma einige Monate leer. Aber die Rettung nahte: Der Mallorquiner Tomeu Arbona, der eigentlich Psychologe und Sozialpädagoge ist, hatte bereits 2010 die Backstube Forn de la Soca eröffnet und zog dann 2018 mit seinem Betrieb in die Traditionsbäckerei Forn des Teatre um. Dort erhält der Kunde einen Einblick in die lokale Backkunst: Im hinteren Teil der Konditorei bereiten mehrere Bäckermeister Brot und sämtliches Kleingebäck zu. Im vorderen Teil des Ladens können die nach mallorquinischen Rezepten gebackenen Leckerbissen dann käuflich erworben werden. Eine gefüllte Empanada kostet hier zwischen vier und fünf Euro.

Die mallorquinischen Traditionsgeschäfte gehören zu Palmas Innenstadt wie die berühmte Kathedrale La Seu oder die Fischerbörse La Lonja im maritimen Stadtteil Santa Catalina. Uriges Ambiente und jahrzehntelange Tradition verleihen ihnen einen einzigartigen Charme. Geschätzt werden die Läden nicht nur von ausländischen Touristen, sondern vor allem auch vom einheimischen Publikum. Doch vor allem seit Beginn der Corona-Pandemie kämpfen die kleinen Läden ums Überleben.

Viele Kunden, die das Spielwaren- und Puppengeschäft La Industrial aufsuchen, kommen regelmäßig, und das seit Jahrzehnten. „Das ist auch der Grund, warum wir trotz steigender Konkurrenz und Corona noch überleben können”, sagt Inhaberin Neus Aguilló. „Unsere Kunden reisen von der ganzen Insel an. Wir haben zum Beispiel gute Stammkunden aus Muro”, so die Mallorquinerin weiter. Der Familienbetrieb wurde 1828 gegründet und befindet sich seither in der Gasse Pas d’en Quint. Früher waren dort ausschließlich Haushaltswaren erhältlich, heutzutage findet man dort ausschließlich Spielzeug und Puppen für Kinder.

Zusätzlich erschweren Großkonzerne wie Amazon den kleinen Traditionsläden wie La Industrial das Geschäft. Ein vor zwei Jahren veröffentlichter Kurzfilm zum Thema Massenkonsum, in dem auch die kritische Lage des Spielwarenladens La Industrial thematisiert wurde, erregte große Aufmerksamkeit. „Daraufhin hatten wir sogar Kunden aus Mexiko, die aufgrund des Kurzfilms zu uns kamen”, erzählt Aguilló. Ihr Laden ist aus der Altstadt von Palma nicht mehr wegzudenken und galt noch vor wenigen Jahren als die Anlaufstelle für Puppen- und Spielwaren. Doch so turbulent wie einst wird es wohl nicht mehr laufen: „Früher standen wir an Wochenenden und vor Weihnachten mit zwölf Mitarbeitern im Laden, mittlerweile sind es an gutbesuchten Tagen maximal drei”.

Gegenüber dem Spielzeuggeschäft befindet sich der Delikatessenladen La Pajarita. Auch hier blickt man auf eine lange Historie zurück. Gegründet wurde das Geschäft 1872. Mittlerweile wird es bereits in fünfter Generation geführt. Ursprünglich spezialisierte sich La Pajarita auf Schokolade und Süßigkeiten, 1972 wurde der Laden aufgeteilt, und es kam eine Delikatessenabteilung hinzu. „Unsere Kunden legen großen Wert auf lokale Produkte und Qualität”, berichtet die Verkäuferin. Von teurem Champagner, Kaviar, exquisitem Iberischen Schinken oder würzigem Käse aus Mahón: Gourmets haben im Geschäft La Pajarita die Qual der Wahl. Auch die Königsfamilie kauft dort bei ihren Inselaufenthalten regelmäßig ein.

Richtig mallorquinisch wird es im Carrer de Sant Domingo 1. In der schmalen Gasse fällt der Feinkostladen Colmado Sant Domingo jedem Fußgänger sofort ins Auge. In dem 1886 gegründeten Delikatessenladen hängen zahlreiche mallorquinische Sobrassada-Würste von der Decke. Darüber hinaus gibt es allerlei Produkte von der Insel: Marmelade, Olivenöl, Salz vom Naturstrand Es Trenc, Orangen aus Sóller, Oliven und mediterrane Gewürze.

Wer eine kurze Verschnaufpause benötigt, der kehrt am besten für eine heiße Trinkschokolade in das Café Ca’n Joan de s’Aigo ein. Das Lokal liegt etwas versteckt in einer verwinkelten Gasse. Gegründet wurde der Betrieb bereits 1700. Zur Frühstückszeit zwischen acht und zehn Uhr sollte etwas Geduld mitgebracht werden. Nicht selten stehen die Gäste in einer meterlangen Schlange vor dem Café und warten auf einen freien Tisch. Übrigens: Ein heißer Kakao mit Sahne kostet dort drei Euro.

Eines der ältesten Traditionsgeschäfte liegt nur wenige Meter von der Plaça Major entfernt. Den Kurzwarenladen Mercería Ca Donya Àngela gibt es seit 1685. Er wird bereits in elfter Generation betrieben. Dort findet man eine umfangreiche Auswahl an Nähseide, Strümpfen, Stoffe sowie Knöpfe in allen Farbvarianten und Formen. Der Verkäufer bestätigt: „Wir sind zwar nicht der einzige Kurzwarenladen in Palma, aber dafür der älteste”.

Und was wäre ein Mallorca-Aufenthalt ohne ein landestypisches Souvenir? In der Korbwarenflechterei Mimbrería Vidal wird man fündig. Der auf Korb- und Flechtwaren spezialisierte Laden in Palmas Altstadtviertel Sindicat bietet mallorquinische Korbtaschen in diversen Ausführungen und Größen an. Mit einer traditionellen mallorquinischen „Cesta” kommt auch in der Heimat sicherlich ein wenig Mallorca-Stimmung auf.