Eher die Ausnahme: Wenn es im Winter auf der Insel besonders viel regnet, dann sind die Stauseen im Gebirge hin und wieder so voll, dass sie überzulaufen drohen und die Schleusen geöffnet werden müssen. | Archiv Ultima Hora

0

Dass die Versorgung der Menschen in Palma mit Trinkwasser eine enorme Herausforderung ist, liegt angesichts knapper natürlicher Ressourcen und stetig steigender Einwohner- sowie Touristenzahlen auf der Hand.Etwa die Hälfte des Trinkwasserverbrauchs der Insel entfällt heute auf die knapp 420.000 Einwohner Palmas sowie die Urlauber in der Stadt, die den Konsum vor allem in den Sommermonaten noch einmal deutlich in die Höhe treiben. Allein die Zahl der in der Inselhauptstadt gemeldeten Bewohner stieg in den vergangenen 20 Jahren um mehr als 20 Prozent. Die Touristenzahl auf der Insel derweil nahm allein zwischen 2016 und 2019 um eine Million zu (und lag im letzten Jahr vor der Pandemie bei knapp zwölf Millionen).

Umweltschützer kritisieren seit Jahren, dass die natürlichen Ressourcen der Insel, insbesondere die Wasservorkommen, für solche Menschenmassen nicht ausreichen, auch wenn es akute Notsituationen wie in den 1990er Jahren, als eigens Trinkwasser per Schiff vom Festland auf die Insel gebracht wurde, seitdem nicht wieder gegeben hat. Das liegt vor allem an den Entsalzungsanlagen, die im Laufe der Jahre in Betrieb gingen und in besonders trockenen Jahren die Versorgung sicherstellen. Diese Art der Wasseraufbereitung aber ist aufwendig, teuer und energieintensiv. Zuletzt mussten Palmas Stadtwerke Emaya im vergangenen Sommer fast eine halbe Million Euro für Wasser aus der Entsalzungsanlage ausgeben. Zeitweilig wurde so ein Drittel des Bedarfes gedeckt. In den vergangenen fünf Jahren gab Emaya Medienberichten zufolge mehr als 24 Millionen Euro für entsalzenes Meerwasser aus.

Da es auf der Insel keine ganzjährig wasserführenden Flüsse gibt, besteht das Trinkwasser, das in der Inselhauptstadt aus den Wasserhähnen fließt, normalerweise zum Großteil aus Grundwasser. Im vergangenen Jahr wurden so 56 Prozent des Bedarfs gedeckt. Mit etwa 20 Prozent folgten die Stauseen Gorg Blau und Cúber im Tramuntana-Gebirge auf dem zweiten Platz. Die städtischen Quellen steuerten etwa elf Prozent zur Gesamtmenge von 39 Hektokubikmetern bei. In regenarmen Jahren macht sich der Mangel sogleich bemerkbar. Am besten sichtbar wird das an den beiden Stauseen, deren Pegel dann bedenklich sinken. Derzeit sind sie zu etwa 70 Prozent gefüllt, was für den jetzigen Zeitpunkt des Jahres kein herausragender Wert ist. Das Frühjahr war auf der Insel bislang eher niederschlagsarm. Und so kommt es, dass im vergangenen Jahr rund elf Prozent des Trinkwasserbedarfs in Palma durch die vom öffentlichen Unternehmen Abaqua betriebene Entsalzungsanlage gedeckt wurden.

Woher das Wasser nun auch stammt: In drei Anlagen, die sich am nördlichen Stadtrand sowie in Lloseta befinden, wird es anschließend aufbereitet und ins Leitungsnetz eingespeist. Allein, trinken will es so recht niemand. Zumindest ist die Skepsis unter den Inselbewohnern groß, was die Qualität des Trinkwassers angeht. Zwar ist die Lage in manchen Gegenden Mallorcas, wie etwa in einigen Ortsteilen von Manacor, viel dramatischer, weil das Wasser dort schlicht ungenießbar ist, aber auch in Palma schleppen die allermeisten lieber literweise Mineralwasser aus dem Supermarkt nach Hause, statt einfach den Wasserhahn aufzudrehen. Zu viel Chlor und Kalk, schlechter Geschmack – das sind die häufigsten Kritikpunkte. Manch einer hat da gesundheitliche Bedenken.

Solcherlei Vorurteile lassen sich nur schwer überwinden, wie die zahlreichen Informationskampagnen der Stadtwerke belegen. Erst kürzlich fühlte sich die Leiterin der Behörde für Umweltgesundheit, Kika Panadés, bemüßigt, noch einmal klarzustellen, dass man das Wasser in Palma bedenkenlos trinken könne. „Die Qualität ist hervorragend”, sagte sie. „Es ist eine Legende, dass es nicht gut für die Gesundheit sei.” Das ändere auch nicht die Tatsache, dass das Wasser aufgrund der geologischen Beschaffenheit der Insel nun einmal etwas kalkhaltiger sei.

Auch Stadtwerke-Chef Ramón Perpinyà ist bemüht, Bedenken der Bürger zu zerstreuen. Sämtliche Grenzwerte würden zu jeder Zeit eingehalten und täglich fänden Kontrollen statt. Die Ergebnisse veröffentlichen die Stadtwerke regelmäßig auf ihrer Internetseite ( www.emaya.es >>> Menü >>> Cicle de l’Aigua >>> Qualitat de l’Aigua >>> Paràmetres de l’Aigua – oder direkt hier). Dort kann man sich die Messergebnisse für jedes einzelne Stadtviertel tagesaktuell ansehen.

Ähnliche Nachrichten

„Leitungswasser zu konsumieren ist gut für die Gesundheit und die Umwelt”, sagt Perpinyà. Auf diese Weise ließen sich große Mengen Plastikmüll vermeiden. Außerdem gebe es Studien, die negative Auswirkungen bestimmter Bestandteile der Plastikflaschen auf den menschlichen Organismus nahelegen. „Die Nutzung von Wasser aus dem Hahn zu fördern gehört zu den Prioritäten der Stadtwerke.”

Zu dem Zweck hat Emaya in den vergangenen Jahren mehrere Dutzend Trinkbrunnen im Stadtgebiet aufgestellt, an denen jedermann gratis seine Trinkflasche auffüllen kann. Mittlerweile gibt es 33 dieser Zapfsäulen. 30 weitere sollen im laufenden Jahr noch hinzukommen. Das Wasser wird dort lediglich noch einmal gefiltert, um den Geschmack etwas zu verbessern, wie es bei Emaya heißt.

Mit diesen öffentlichen Brunnen lebt in Palma eine jahrhundertealte Tradition wieder auf, die zwischenzeitlich vollkommen in Vergessenheit geraten war. Dieser Teil der Geschichte ist beispielsweise im Carrer Concepció noch zu erkennen. Dort nämlich, nur ein paar Schritte von der belebten Avinguda de Jaume III entfernt, befindet sich der Brunnen Font del Sepulcre, der in seiner heutigen Form aus dem 13. Jahrhundert stammt.

Das Bauwerk gehört zu den letzten Überbleibseln der historischen Kanalanlage, über die die Stadt bereits unter muslimischer Herrschaft mit Trinkwasser versorgt wurde. Dass das schon damals kein leichtes Unterfangen war, erkennt man rasch, wenn man sich auf die Suche nach den Resten dieses Beispiels mittelalterlicher Ingenieurskunst begibt. Mehrere Kilometer außerhalb der Stadt befinden sich die drei Quellen Font de la Vila, Font d’en Baster und Font de Mestre Pere. Allesamt liegen sie hinter hohen Mauern und sind nur mit Sondergenehmigung der Stadtwerke zu besichtigen. Dennoch lohnt sich ein Spaziergang in der Gegend unweit der Balearen-Universität, da sich Palma hier von seiner ländlich-idyllischen Seite zeigt.

Zum Großteil öffentlich zugänglich dagegen sind die bis heute erhaltenen Reste der jahrhundertealten Kanalisation, die von den Quellen bis nach Palma reichte. Kilometerweit führten diese Mauerwerke über Äcker, Felder und Wiesen – wie damals, so auch heute. Wer im Norden der Stadt mit offenen Augen durch die Landschaft spaziert, wird leicht fündig. An der Radrennarena unweit des Hauptfriedhofes etwa ist das der Fall. Damit dieser Teil der Stadtgeschichte nicht in Vergessenheit gerät, sollen die Überreste nun besser geschützt und bekannt gemacht werden. So sieht es zumindest der kürzlich verabschiedete neue Flächennutzungsplan der Stadt vor.

Ruine an der Plaça Patins: Sieht aus wie eine abrissreife
Hausfassade, ist aber in Wirklichkeit eines der am besten
erhaltenen Überbleibsel der mittelalterlichen Kanalanlage,
durch die Palma einst mit Wasser versorgt wurde. Foto: jm

Der wohl bedeutendste Teil der Anlage befindet sich an der Plaça del Bisbe Berenguer de Palou (besser bekannt als Plaça Patins). Die meterhohe Mauer, die dort etwas heruntergekommen in die Höhe ragt, kann man leicht für eine abrissreife Hausfassade halten. Tatsächlich floss hier jahrhundertelang das Quellwasser entlang. Vor allem der einst auf einer Anhöhe errichtete Almudaina-Palast, der sich unmittelbar gegenüber der Kathedrale befindet, wurde auf diese Weise mit frischem Wasser versorgt. Die entsprechenden Becken befinden sich allerdings im üblicherweise nicht zugänglichen Teil des Palastes.

Bis zum Almudaina-Palast
gegenüber der Kathedrale
wurde das Trinkwasser durch
ein Kanalnetz geleitet.

„Dieses Wasser war nicht für die breite Bevölkerung gedacht”, sagt die städtische Archäologin Magdalena Riera. Der Großteil der Einwohner musste sich mit Regenwasserzisternen behelfen – oder eben den öffentlichen Brunnen. Die Rechte zur Nutzung der Quelle waren im Zuge der Eroberung Mallorcas durch die Truppen Jaumes I. im 13. Jahrhundert vergeben worden. Auf dem Weg in die Stadt trieb das Wasser auch zahlreiche Mühlräder an und diente zur Bewässerung der Felder. Ein knappes Gut war Wasser auf der Insel jedenfalls schon damals.