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Wenn sie ihre Krallen in totes Schafsfleisch rammen, ist dies kein schöner Anblick. Doch trotz ihrer allseits bekannten Verbundenheit mit dem Tod und ihrer irritierenden Hässlichkeit machen Mönchsgeier einen fast majestätischen Eindruck, und das auch dann, wenn sie – wie sie das mitunter gerne tun – tölpelhaft hüpfen.

Im eher überschaubaren Geier-Beobachtungszentrum an der Autobahn Palma-Sa-Pobla nahe Campanet hüpfen diese Vögel ebenfalls immer mal wieder herum. In einem rechteckigen Holzhaus sitzend kann man ein paar kranke Exemplare, die gerade aufgepäppelt werden, mit bereitliegenden Ferngläsern näher in Augenschein nehmen. Blutige Körperteile von Schafen, an denen sich die mit berserkerhaft kraftvollen Schnäbeln ausgestatteten Geier immer wieder lustvoll laben, liegen überall auf dem mit einem Zaun umschlossenen Gelände herum.

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Insgesamt steht es auf Mallorca derzeit gut um die Riesenvögel, deren Spannweite fast drei Meter betragen kann und die bis zu zwölf Kilogramm schwer werden können. Über 330 Exemplare tummeln sich auf und über der Insel, und das vor allem in schwer zugänglichen Ecken der Serra de Tramuntana. Diese erfreuliche Entwicklung liegt vor allem an der mühevollen Arbeit des 1987 gegründeten Beobachtungszentrums zur Unterstützung der Gebärfreude der Riesenvögel. Fast ausgestorben waren diese Tiere damals, man hatte auf der Insel nur 19 Exemplare und ein einziges brutfähiges Paar gezählt und machte sich damals ernsthaft Sorgen um den Fortbestand der beim Fliegen immerhin elegant wirkenden Vögel. Der Grund für die Dezimierung war, dass bei Bauern der Irrglaube vorherrschte, die Geier würden ihre lebenden Zuchttiere töten. Deswegen wurden viele von ihnen vergiftet. Das inzwischen auch bei Grundschülern verbreitete Wissen darum, dass Geier Aasfresser sind, war damals noch nicht auf alle Felder der Insel vorgedrungen. Nur bei besonders großem Heißhunger stürzen sich Mönchs- und andere Geier auch mal auf lebende Eidechsen oder Kaninchen.

Dafür, dass die Mönchsgeierpopulation auf hohem Niveau stabil bleibt und auch größer wird, sorgen Mitglieder des Observatoriums mit tatkräftigem Einsatz. Wird ein Brutplatz ausgemacht, halten sie Wanderer davon ab, sich den Vögeln zu nähern. Denn werden die Geier beim Brüten gestört, kann es passieren, dass diese das Nest Hals über Kopf verlassen und das üblicherweise einzige Ei seinem Schicksal überlassen.

So empfindlich sich Geier manchmal geben, bei der Auswahl ihrer Nahrung legen sie jede Scheu ab. Die vier Schmutzgeier, die laut dem Observationszentrum momentan auf Mallorca leben, fressen sogar Exkremente.