Ein Taschendieb bei seiner Festnahme auf Mallorca. | Archiv Ultima Hora

Angesichts zahlloser ausländischer Touristen sind während dieser Hochsaison verstärkt Langfinger auf Mallorca aktiv geworden. So weit, so schlecht, so üblich. Doch anders als vor der Pandemie scheint das kriminelle Tun dieser Täter eine neue Qualität erreicht zu haben, was die Anwendung von Gewalt anbelangt. Fälle wie der einer deutschen Urlauberfamilie, die am Wochenende auf dem Borne-Boulevard von Palma, niedergeschlagen und traktiert wurde, waren in Vorpandemiejahren nicht unbedingt vorgekommen.

Der 52-jährige Familienvater berichtete gegenüber MM, dass er in der Nacht zum Samstag einsam mit seiner 39-jährigen Frau und der 13-jährigen Tochter nach einem Restaurantbesuch in der Altstadt an der Ecke zum Carrer Sant Feliu über eine halbe Stunde auf ein Taxi gewartet habe. Dann wurde der Überfall verübt: „Zwei Männer standen an der Apotheke an der Plaça de la Reina und beobachteten die vorbeigehenden Urlauber. Sie taten so, als würden sie auch auf ein Taxi warten. Ein dritter Mann sprintete barfuß den Carrer de Sant Feliu runter und sprang mir in den Rücken, sodass ich auf die Fahrbahn fiel, danach versuchten die anderen beiden unter Schlageinwirkung meiner Frau die Tasche zu entreißen und warfen sie auch auf die Fahrbahn.” Letztlich gelang es der ausgesprochen sportlichen Mutter, den Angriff zu stoppen, die Täter flüchteten.

Ähnlich rüde gingen ebenfalls drei Männer in der Nacht zum Montag auf dem Paseo Marítimo vor: Sie stürzten sich auf einige ausländische Urlauber und entwendeten unter Einwirkung roher Gewalt ein Handy, eine Goldkette und Geld. Zunächst konnten sie flüchten, wurden jedoch später von Beamten der spanischen Nationalpolizei festgesetzt.

Bereits vor einigen Tagen war ein Pärchen im Badeort Cala Rajada, wo sich inzwischen viele vor allem deutsche Urlauber aufhalten, ebenfalls brutal angefallen und bestohlen worden, und das ebenfalls nachts. Auch hier gelang die Festnahme der Kriminellen.

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Das Ausmaß der Gewalt kennt man aus der Vor-Corona-Zeit nur von sogenannten Rolex-Räubern. Dabei handelte es sich um Süditaliener, die sich meist von Motorrädern aus auf Passanten stürzten, die teure Uhren am Handgelenk trugen.

Tagsüber gehen die Diebe auf Mallorca bislang eher ohne Anwendung von Gewalt vor: So wie im Eincheck-Bereich des Flughafens, wo vor einigen Tagen drei Trickdiebe – ein 67-Jähriger und zwei junge Frauen – aufflogen und festgenommen wurden. Die Kriminellen hatten sich vor allem an ältere Fluggäste herangepirscht, um sie zu bestehlen.

Ein ebenfalls älterer spanischer Herr graste in den vergangenen Wochen touristische Highlights vor allem im Nordosten ab. Der nach Polizeiangaben unauffällige Rentner schlug die Scheiben von Mietautos ein und entwendete dort Wertsachen. Entdeckte er Geld, ging er in Spielsalons. Der einschlägig polizeibekannte Mann wurde inzwischen festgenommen.

Einige Täter kommen von der Insel, andere reisen extra vom spanischen Festland oder aus anderen Staaten an. Sie nutzen die Sorglosigkeit vieler Urlauber gnadenlos aus. So wie zwölf Männer und zwei Frauen aus Rumänien, die Mitte Juni festgenommen worden waren. Sie lebten in Hostels in Arenal, mieteten sich Autos und fuhren zu Urlauber-Highlights wie der Bellver-Burg und der Kathedrale. Die Taschendiebe steuerten dort vor allem ältere Feriengäste an, um ihnen Brieftaschen zu entwenden.

Selbst langjährige Insel-Residenten sind vor Langfinger-Attacken momentan nicht gefeit: MM-Mitarbeiterin Eva Ulmer etwa wurde unlängst an einem Vormittag bei einem Interview im Hafenbereich vor dem Auditorium Palma der Rucksack von einer Sitzbank gestohlen – mit Handy, Portemonnaie und sieben Karten.