Mit vollem Körpereinsatz: Spieler Daniel Fröhlich hechtet einem Ball hinterher. | Patricia Lozano

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"Hab' ich", ruft Daniel Fröhlich seinen Teamkollegen zu und baggert den Ball übers Netz. Der junge Mann trifft sich jeden Freitag mit Freunden am Stadtstrand von Palma zum Beachvolleyball spielen. "Wir haben 2014 mit ein paar Leuten angefangen und dachten, spielen wir halt mal", erzählt Steve Schreiter, der zur gegnerischen Mannschaft gehört. Knapp 50 Leute kommen inzwischen mehr oder weniger regelmäßig zum wöchentlichen Training an die Playa Can Pere Antoni. Die Truppe verabredet sich via Whatsapp-Gruppe, 20 Hobbysportler sind eigentlich immer dabei. Mit ihrer Freizeitbeschäftigung sind die jungen Leute in bester Gesellschaft.

"Beachvolleyball ist zurzeit extrem in Mode", sagt Nestor Bocho Serrón, Mitverantwortlicher des Amateuerturniers "Beachvolley Balear", bei dem sich jedes Jahr mehr als 200 Teilnehmer messen. Auf Mallorca erfreut sich der Sport seit 15 Jahren wachsender Beliebtheit. 1996 wurde Strandvolleyball olympische Sportart. Der Volleyball-Trainer Serrón spielt am liebsten in der Cala Agulla. "Es gibt natürlich Strände, die sind besser und welche, die sind schlechter geeignet", erklärt er. Neben ausreichend Platz, um das Netz aufzubauen, sollte der Strand eben sein und nicht zu stark abfallen. "Beachvolleyball darf man eigentlich an jeder Playa spielen, verboten ist es nirgendwo", sagt der begeisterte Sportler.

Nach dem Ende der ersten Partie stürmen die Freunde an Palmas Stadtstrand ins Meer, um sich zu erfrischen. Die Sonne bringt die Spieler an diesem Freitagabend ordentlich ins Schwitzen und dient auch so manches Mal als Ausrede, wenn der Ball nicht getroffen wurde: "Ich wurde geblendet", scherzen die Spieler dann. "Es ist der perfekte Start ins Wochenende", erzählt Hobbyspielerin Timothea Imionidou. Denn Beachvolleyball ist nicht nur Sport, sondern auch ein Stück Lebensgefühl. "Der Sonnenuntergang macht jedes Turnier zu etwas Besonderem", sind sich die Freunde einig. In der Mittagshitze zu spielen ist hingegen nicht ihr Ding. Mit dabei ist auch immer eine Musikbox. Wenn die Sonne hinter der Kathedrale untergeht, spielt die Gruppe noch solange weiter, bis keiner mehr den Ball sieht. Danach sitzen die Freunde noch gemeinsam am Strand. "Wir haben auch einen leuchtenden Ball, doch der ist immer so hart", sagt Timothea. Der Vorteil beim Beachvolleyball sei, dass man lediglich ein Stück Strand benötigt, einen Ball und ein Netz. Man muss kein Feld reservieren und viele Leute können sich anschließen.

Für knapp 100 Euro haben sich die Freunde ein Beachvolleyball-Netz und einen Ball gekauft. Die Ausrüstung kommt während der Strandsaison von April bis Ende Oktober zum Einsatz. "Wir spielen, bis es abends frisch wird", sagt Steve Schreiter, "und ab September sind wir dann richtig gut – finden wir zumindest." Gerade zum Saisonanfang plagt den ein oder anderen ein Muskelkater nach dem Turnier. Das Laufen und Springen im Sand kostet Kraft. Besonders die Waden-, Oberschenkel- und Schultermuskeln werden beansprucht. Mitspielen - egal ob Anfänger oder Fortgeschrittener - kann jeder. An diesem Abend schließt sich spontan eine junge Rumänin der Gruppe an, um mit ihr ein paar Bälle übers Netz zu schmettern. "Wir werden beim Aufbauen des Netzes ab und zu mal angesprochen, ob jemand mitspielen kann", erzählen die Freunde.

Die Turnierregeln legt die Gruppe eher locker aus. Gespielt wird entweder bis 15 oder 25 Punkte. Danach wechseln die Teams die Seiten. Je nach Anzahl der Leute, die mitbaggern wollen, stehen mal vier, mal fünf oder gar sechs Personen auf einer Seite des Feldes - manchmal warten noch Ersatzspieler am Rand, die im Rotationsverfahren eingewechselt werden. Schwächere Spieler werden sowohl vom eigenen als auch vom gegnerischen Team besonders angefeuert, so soll jeder Spaß am Spiel bekommen. Und fliegt der Ball mal nicht übers Netz, ist das auch nicht schlimm.

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Dort wird gespielt

Wenn genügend Platz vorhanden ist, kann das Netz aufgebaut werden. Andere Strandbesucher sollten nicht gestört werden. Breitere Stränden bieten sich dafür mehr an als schmale Buchten. Beliebt sind die Strände Can Pere Antoni, Can Pastilla, Magaluf, Palmanova, Cala Agulla und die Playa de Muro. Im Mai messen sich Amateure beim Turnier "Beach Volley Around the World" in Palmanova. Die Amateurwettkämpfe "Beachvolley Balear" finden den Sommer über auf der gesamten Insel statt. Zudem werden Trainingscamps wie in Canyamel angeboten.

Die Regeln für Beachvolleyball

Beachvolleyball ist seit 1996 eine olympische Sportart, die in den 1920er Jahren in den USA und Brasilien aus dem Hallen-Volleyball entstand. Laut offiziellem Regelwerk stehen sich zwei Mannschaften mit je zwei Spielern gegenüber. Das rechteckige Feld auf einem Untergrund aus Sand ist 16 mal acht Meter groß und wird von einem Netz geteilt. Die Netze sind 2,43 Meter für Männer sowie 2,24 Meter für Frauen hoch. Ein Spiel besteht aus mindestens zwei Sätzen. Gespielt wird, bis eine Mannschaft mindestens 21 sowie zwei Punkte Vorsprung hat. Im Entscheidungssatz sind 15 Punkte nötig.

Ziel ist es, dass der Volleyball im gegnerischen Feld auf den Boden fällt. Theoretisch darf mit allen Körperteilen gespielt, der Ball aber nicht geworfen werden. Nach maximal drei Kontakten muss der Ball ins gegnerische Feld gespielt werden. Sowohl das obere (pritschen) als auch das untere Zuspiel (baggern) sind möglich. Beim Pritschen fordern die Regeln saubere Technik: Der Ball darf nur gerade nach vorn oder hinten gespielt werden, jedoch nicht seitlich. Für jeden gewonnenen Ballwechsel gibt es einen Punkt, egal ob die Mannschaft gerade Aufschlag hatte oder nicht. Gespielt wird in leichter Sommer- oder sogar Badebekleidung. Wichtig sind Sonnenbrille und -creme sowie eine Kopfbedeckung, wenn tagsüber am Strand gesportelt wird. Der Sand dämpft sowohl Stürze als auch die Landung nach dem Sprung.

(aus MM 25/2017)