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Es gibt Augenblicke im Leben eines Formel-1-Fans, da wünscht man sich, ein kleines blondes Mädchen zu sein. So wie am Freitag (20.2.) vergangene Woche auf der englischen Kult-Rennstrecke Silverstone, rund 20 Kilometer südlich von Northhampton. Dort präsentierte der deutsche Rennstall Mercedes AMG-Petronas neben dem neuen F1-Boliden mit der unsäglichen Bezeichnung „Mercedes-AMG F1 W13 E Performance” auch gleich sein komplettes Team für die kommende Motorsportsaison. Darunter ein kleines, blondes Mädchen. Seite an Seite mit Formel-1-Star Lewis Hamilton. Und das nicht als Autogrammjägerin, sondern als zukünftige Arbeitskollegin.

Keine Frage: Die elfjährige Mallorquinerin Luna Fluxá schreibt seit besagtem Freitagvormittag in Silverstone Rennsportgeschichte. Als erste Frau der Welt gehört sie zu einem der renommiertesten Rennställe auf dem Globus. Anfang des Jahres unterschrieb sie bei Mercedes als jüngste Fahrerin in dessen Junior-Talentteam. Ob sie irgendwann selbst am Steuer eines F1-Silberpfeils Platz nehmen darf, hängt von ihren künftigen Erfolgen auf internationalen Kart- und Junior-Formel-Meisterschaften ab.

Dass sie dazu das Zeug hat, steht für ihren neuen Arbeitgeber außer Frage: „Luna hat bewiesen, dass sie ein ganz besonderes Talent besitzt, um im professionellen Motorsport langfristig auf der Erfolgsspur zu fahren”, hieß es in einer Presseerklärung von Mercedes zur Verpflichtung der jungen Mallorquinerin.

Vorausgegangen war Fluxás Gewinn der europäischen Rennkart-Meisterschaft „IAME Euro X30 Mini” im Herbst vergangenen Jahres. Ein Titel, den bis dahin ebenfalls kein Mädchen zuvor für sich entscheiden konnte. An der vom internationalen Rennkartverband seit 2016 veranstalteten X30-Serie, die jedes Jahr an zwei Rennwochenenden in Italien und Spanien ausgefahren wird, nehmen die besten Nachwuchsfahrer und -fahrerinnen der Welt in verschiedenen Altersklassen teil. Voraussetzung für eine Startnummer ist allerdings die vorherige Qualifikation in anderen offiziellen, vom Verband ausgerichteten regionalen sowie nationalen Rennen. Luna Fluxá, die im Alter von sechs Jahren mit dem Kartsport begann, hat bereits alles gewonnen, was man in ihrer Altersklasse gewinnen kann.

Ab der kommenden Saison wird sie für Mercedes in der nächst höheren Junior-Kartkategorie an den Start gehen. Als Teammitglied erhält sie dabei neben einem kompletten technischen und logistischen Support auch einen eigenen professionellen Fahrschulungstrainer an die Seite.

Die Begeisterung für den Rennsport wurde Luna bereits in die Wiege gelegt. Neben ihrem Vater und Manager sind auch ihre beiden Brüder Lorenzo und Lucas Fluxá seit Jahren in der Szene erfolgreich. Der Ältere von beiden, Lucas, fährt in der kommenden Saison erneut für das französische Formel-3 Team Alpine, der jüngere Lorenzo gewann in diesem Jahr in Italien die WSK-Kart-Meisterschaft.

Dennoch dürfte es für die kleine Mallorquinerin nicht einfach werden, bis an die Startlinie der Königsklasse des Rennsports zu fahren. Bisher haben solch eine Leistung nur fünf Frauen weltweit geschafft. Und das mit kaum erwähnenswertem Erfolg. Die vorerst letzte Formel-1-Pilotin ging 1992 an den Start. Es war die Italienerin Lella Lombardi, die sich jedoch für keinen Startplatz an einem der drei von ihr angepeilten Grand-Prix-Rennen qualifizieren konnte. Luna Fluxá wird das hoffentlich irgendwann ändern. Nicht nur als Formel-1-Fan möchte man es ihr von Herzen wünschen.