Mallorca steckt in einer tiefen Wirtschaftskrise mit hoher Arbeitslosigkeit und leidet zudem an seiner in die Jahren gekommenen Hotel- und Tourismusstruktur. Einerseits. Andererseits werden seit dem Regierungswechsel im Sommer immer wieder Megaprojekte angekündigt, die der Insel neben modernen Urlaubsanlagen, Freizeit- und Einkaufszentren wieder Arbeitsplätze bescheren sollen.

Den meisten Projekten gemeinsam ist, dass es sich vorerst um Ankündigungen handelt, die allerdings Millionen Euro an Investitionen bringen sollen und angesichts der zu erwartenden Konjunkturbelebung auch von der konservativen Regierung vorab mit Wohlwollen aufgenommen werden.

Sobald die noch so vagen Projekte in den Medien bekannt werden, wird prompt der Protest der Anwohner und Umweltschützer laut, die in den Vorhaben zum Teil Gefahren für die Naturschönheiten der Insel sehen. Dessen ungeachtet ist die Rechtsgrundlage der Vorhaben - darf oder darf nicht gebaut werden, wenn ja, in welchem Ausmaß - meist völlig ungeklärt.

Das jüngste Beispiel für ein solch umstrittenes Vorhaben ist ein Hotelprojekt in Sa Ràpita, der Seegemeinde von Campos, unweit des beliebten Naturstrandes Es Trenc. Hier sollen nach einem Bericht der Tageszeitung "Ultima Hora" Investoren ein hochmodernes Hotel planen; umweltschonend, optisch regelrecht in der Landschaft versteckt, und dazu vollständig klimaneutral. Die Rede ist von 1100 bis 1250 Betten.

Der Artikel beruft sich auf eine Internetseite der Projektgegner "Salvem Sa Ràpita" (Retten wir Sa Ràpita), die wiederum als Initiatoren die Unternehmensgruppe Blau Hotels benennt. Auf MM-Anfrage war bei der Gruppe kein kompetenter Firmenvertreter zu einer Stellungnahme zugegen.

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Gleichzeitig haben die Projektträger in den vergangenen Wochen von sich aus versucht, bei ausgewiesenen Umweltaktivisten der Insel für ihr Vorhaben zu werben. Zu diesem Zweck kontaktierten sie den ehemaligen Designer des Schuhherstellers Camper, Guillem Ferrer, der auf seinem Landsitz in Mancor de la Vall zu einem Vordenker der mallorquinischen Naturschutzbewegung avancierte.

Ferrer sollte die Investoren mit seinem Freund Gunter Pauli bekannt machen. Der belgische Unternehmer und Buchautor gilt weltweit als "Guru" des Umweltschutzes und der Nachhaltigkeit.

Tatsächlich brachte Ferrer die Investoren im Herbst mit Pauli zusammen. Ferrer war, wie er gegenüber MM sagte, von einem rein theoretischen Gespräch ausgegangen. "Da wussten wir noch nicht, dass das Projekt auf dem Gelände in Sa Ràpita errichtet werden sollte." Zwar habe sich Pauli das Gelände noch zeigen lassen, doch einen Bau in dem genannten Gebiet wollten die Umweltaktivisten in keiner Weise gutheißen. "Hotelneubauten kommen nicht in Frage. Man kann höchstens alte Hotels ,recyclen', so wie das etwa in Magaluf vorgesehen ist. Dieses Projekt hat unsere Unterstützung", betonte Ferrer.

Angefragt wurde auch die mallorquinische Naturschutzorganisation GOB. Der Verein zeigt sich für Dialog offen, schließt aber einen Hotelbau auf dem 20-Hektar-Gelände bei Sa Ràpita kategorisch aus. "Egal, wie ökologisch das Hotel auch sein würde, die Auswirkungen auf die Umwelt dort wären verheerend", warnt GOB-Sprecher Jaume Adrover. Der Strand sei in höchster Gefahr. Als man dort um 1940 die Militärbunker errichtete, waren sie 25 Meter vom Wasser entfern. Heute lecken die Wellen am Beton. "Dort ist schon viel Strand verloren gegangen. Ein Hotel würde den Prozess intensivieren."

Unterdessen rührt die Plattform die Werbetrommel gegen die Hotelpläne. Bis Mittwoch hatten auf der Internetseite 12.900 Menschen digital unterschrieben.