„Fliegen wir trotzdem nach Mallorca?" Diese Frage wurde in den letzten Monaten wohl häufig an Deutschlands Küchentischen diskutiert. Die Mehrheit hat sich gegen Sonne, Sand und Sangría entschieden, aber nicht alle. „Bei uns stand das nie zur Debatte. Wir wussten, dass wir fliegen. Nur wann, das wussten wir nicht so genau”, sagt Marco Vogel, der mit seiner Familie gerade einen dreiwöchigen Mallorca-Urlaub an der Playa de Palma verbracht hat. „Eigentlich wollten wir schon im Juni herkommen, das Hotel hatte aber kurzfristig schließen müssen. Jetzt hat sich der Sommerurlaub eben ein wenig verspätet.”

Am ersten November ist Vogel mit seiner Lebensgefährtin Juliane Danker und dem fünfjährigen Nico auf Mallorca gelandet. Trotz Corona, trotz Reisewarnung, trotz Testpflicht. Und nicht jeder hat der jungen Familie einen schönen Urlaub gewünscht: „Viele sind gerade im Lockdown-Stinkermodus, haben uns kritisiert, gefragt, wie wir das machen können, weil Spanien doch so hohe Infektionszahlen habe. Die sehen nicht, dass es zwischen dem Festland und den Balearen große Unterschiede gibt und mal ehrlich – der Zug nach Hamburg war voller als der gesamte Flughafen in Palma.” Den beiden Urlaubern sind die Sprüche aus der Heimat egal, ihre langersehnten Ferien haben sich die Mallorca-Liebhaber nicht kaputt machen lassen, auch die Quarantäne im Anschluss macht ihnen nichts aus: „Wir sind Gastronomen und können im Moment eh nicht arbeiten. Außerdem hat in Deutschland ja auch nichts geöffnet, da können wir ruhig ein paar Tage zu Hause bleiben”, sagt Juliane Danker, während sie genüsslich einen großen Schluck vom frisch gepressten Orangensaft nimmt. Die 32-Jährige sitzt im luftigen Shirt an der Strandpromenade, die Schultern schimmern leicht rötlich, das Thermometer zeigt spöttisch 26 Grad. Das Pärchen aus Wernigerode in Sachsen-Anhalt überlegt, wo es am Abend nach Weihnachtsgeschenken schauen kann.

„Überall liest man, dass auf Mallorca alles zu habe. Und ja, vieles hat geschlossen, aber längst nicht alles. Man kann immer noch super viel machen!”, schwärmt Vogel. Seit vier Jahren ist er mit Juliane liiert, mehrmals im Jahr verbringt die Familie ihren Urlaub auf der Insel, man kennt sich also aus und weiß sich zu beschäftigen: „Wir lieben gutes Essen und unsere Lieblingsrestaurants haben nach wie vor geöffnet, das ist natürlich super.” Wenn sich die Urlauber nicht gerade von der mediterranen Küche verwöhnen lassen, dann von der mallorquinischen Sonne, am Strand oder am Hotelpool und Juliane Danker ergänzt: „Jeden zweiten Tag unternehmen wir etwas: eine Fahrradtour nach Portitxol, eine Weinprobe bei einer Bodega oder ein Besuch auf dem Wochenmarkt – es gibt immer noch so viel zu erleben.” Eines der Urlaubshighlights war der Ausflug zu den Höhlen von Artà, auch für den kleinen Nico. Niemand war da, nur die drei. So gab es gleich eine private Führung durch die Stalagmiten und Stalaktiten. Auch die Maskenpflicht auf der Straße und die nächtliche Ausgangssperre machen den Deutschen nichts aus, gerade mit Kleinkind sei man ja eh nicht sehr feierwütig. Doch auch wenn das Paar die Ruhe an der Partyhochburg gerade sehr genießt, so richtig wohl fühlt es sich mit der Stille nicht: „Es fehlt die Seele, das Leben, weil eben kaum jemand da ist. Und unserem Nico fehlen die Spielkameraden, nicht einmal Schaukeln darf er, die Spielplätze sind ja alle abgesperrt.”

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Gewöhnungsbedürftig sei auch das Fiebermessen im Hotel vor jedem Restaurantbesuch: „Am Anfang hatten wir tatsächlich Bedenken, ob sich ein langer Tag in der Sonne nachweislich auf die Körpertemperatur auswirken kann. Da haben wir uns vor dem Essen lieber noch kurz abgekühlt”, sagt Danker und lacht dabei laut.

Doch all das nehmen die Gastronomen gerne in Kauf, schließlich haben sich die beiden auch nicht gerade in Unkosten gestürzt: 729 Euro kostet die Halbpension in der Suite mit Meerblick für eine Woche. Normalerweise liegt der Preis bei rund 2200 Euro. Dieses Vier-Sterne-Hotel ist derzeit zu 60 Prozent belegt, mit ihm hat rund ein Dutzend Häuser an der Playa de Palma geöffnet. Noch sind Zimmer frei.

Schweren Herzens packte die Familie am Sonntag wieder die Koffer und flog zurück nach Deutschland. Überraschend entspannt sei die Rückreise gewesen. Schon am Flughafen in Palma lagen die nötigen Formulare zum Ausfüllen bereit und weil doppelt besser hält, hat Eurowings die gleichen Zettel im Flugzeug noch einmal verteilt. In Hamburg gelandet ging es Dank Pauschalreise direkt mit dem Zug weiter in die häusliche Quarantäne nach Wernigerode. Am Telefon erzählt Vogel, dass sie am Freitag ihren PCR-Test beim Hausarzt machen, der kostet 30 Euro pro Person. „Sobald wir ein negatives Ergebnis haben, dürfen wir das Haus wieder verlassen und am liebsten würden wir gleich wieder in den Flieger steigen.”

(aus MM 48/2020)