Zehn Punkte, warum Mallorca trotz Corona auf Tourismus setzt

| Mallorca |
Straßenszene mit Urlauberinnen in der Altstadt von Palma.

Straßenszene mit Urlauberinnen in der Altstadt von Palma.

Foto: Patricia Lozano

Von diesen Dienstag, 0.00 Uhr, an werden Mallorca sowie ganz Spanien aus deutscher Sicht als Hochinzidenzgebiet bewertet. Doch auf der Insel soll das Geschäft mit dem Fremdenverkehr weitergehen. Die Tourismusbranche setzt darauf, diese - atypische - Saison durcharbeiten zu können. Zehn Punkte, die dafür sprechen:

1.
Vollständig geimpfte Personen sowie Genesene mit Nachweis können weiter von Deutschland nach Spanien und wieder zurück reisen, ohne daheim in Quarantäne gehen zu müssen. In der Bundesrepublik sind mittlerweile knapp 50 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Das sind rund 40 Millionen Menschen. Von denen gibt es sicherlich nicht wenige, die nach dem Lockdown-Jahr 2020 Lust auf Sonne, Strand und Meer haben. Das hofft zumindest der balearische Tourismusminister Iago Negueruela.

2.
Die Hoteliers sehen ihre Unterkünfte als Corona-sicher an. Sie haben in der Vergangenheit große Anstrengungen unternommen, um Service und Dienstleistung vor Ansteckungen zu sschützen. Viele Hotels und Gastronomen legen schon zur Eigensicherung der Betriebe die Einhaltung der Corona-Regeln. Denn es stehen Einnahmen und Arbeitsplätze auf dem Spiel. Aufgrund der Quarantänepflicht in Deutschland gehen die Hoteliers davon aus, dass nun als Gäste vor allem vollständig Geimpfte eintreffen werden.

3.
Die Hoteliers appellieren ihrerseits an die Balearen-Regierung, die Anstrengung zur kurzfristigen Absenkungen des Inzidenzgeschehen "zu verdoppeln", um die Sommersaison weiterlaufen lassen zu können. Den Unternehmern sind vor allem die Trinkgelage junger Menschen unter freiem Himmel ein Dorn im Auge. Die sogenannten Botellones von Einheimischen (und zum Teil auch von deutschen und britischen Urlaubern) gelten als die Treiber der Inzidenz.

4.
Die Regierung hat ihrerseits den Trinkgelagen härtesten Kampf angesagt. Der Verkauf von Alkohol in Super- und Spätmärkten sowie Tankstellen ist ab 22 Uhr verboten. Seit Samstag gilt zudem ein Versammlungsverbot im Freien von 1 Uhr nachts bis 6 Uhr morgens für Menschen aus unterschiedlichen Haushalten. Die Geldstrafen wurden drastisch erhöht.

5.
Damit die Polizei den Kampf gegen die Trinkgelage und Verstöße gegen die Corona-Auflagen effizienter angehen kann, kommen an den Wochenenden selbst Flugdrohnen zum Einsatz. Zudem wurden die Bereitschaften durch weitere Beamte aus Madrid verstärkt. Die Gewerbegebiet, wo ebenfalls Botellones befürchtet werden, werden an den Wochenenden abgeriegelt.

6.
Die Gastronomie ist ebenfalls von der härteren Gangart betroffen. Bars und Restaurants müssen wieder spätestens um 1 Uhr nachts schließen, statt um 2 Uhr. Die Zahl der Gäste in den Innenräumen pro Tisch wurde von sechs auf vier beschränkt, bei maximal 50 Prozent Auslastung. Im Außenbereich werden die Tischgesellschaften von 12 auf 8 Personen verkleinert. In einschlägigen Partyzonen an der Playa de Palma und Magaluf sind hohe Barhocker verbotet, um keine zu ausgelassene Stimmung aufkommen zu lassen. Die Diskotheken sind ohnehin geschlossen.

7.
Auch auf Balearen ist seit Freitag die Hälfte aller Einwohner vollständig geimpft. Die Zahl der Neuansteckungen war nach 814 am Freitag erstmals wieder rückläufig und betrug 775. Mallorca liegt nach Angaben der Gesundheitsbehörden stabil bei 600 bis 700 Fällen, während auf Ibiza Anstiege registriert wurden. Die balearische Gesundheitsministerin Patricia Gómez geht aufgrund der Erfahrungen mit der Pandemie davon aus, dass die Infektionszahlen und die Belegung in den Kliniken gegen Ende August deutlich sinken werden. Es sei weiterhin unerlässlich, die Hygiene-Regeln einzuhalten.

8.
Unterdessen läuft die Impfkampagne auf Mallorca unverändert weiter. Die Balearen waren die erste Region in Spanien, die auch die 16- bis 30-Jährigen zum Impfen zuließ. Seit Freitag dürfen sich nun auch die 12- bis 15-Jährigen impfen lassen.

9.
Abgesehen von den Teilnehmern der Trinkgelage hält sich die große Mehrheit der Bevölkerung an die Corona-Regeln. In öffentlich zugänglichen Gebäuden und in den Verkehrsmitteln herrscht Maskenpflicht, auch im Stadtgebiet sieht man Menschen mit Mund-Nasenschutz auf den Straßen. Pflicht ist, die Maske im Freien zu tragen, wenn der Mindestabstand von 1,5 Meter nicht eingehalten werden kann. Im Lokal muss sitzend am Tisch keine Maske getragen werden.

10.
Die Quarantänepflicht in Deutschland dürfte vor allem Ungeimpfte davon abhalten, nach Mallorca zu reisen. Das dürfte wiederum vor allem ältere Generationen von Urlaubern mit vollständiger Impfung anlocken. Dieses Klientel sucht vor allem Ruhe und Entspannung statt Trubel und Party samt reichlich Alkohol. Ihnen dürfte entgegenkommen, dass angesichts der Vielzahl der geöffneten Hotels – etwa 80 Prozent sind derzeit in Betrieb – die Unterkünfte mit Rabatten um Gäste buhlen. Den Reisewilligen dürfte ebenfalls entgegenkommen, dass Tourismusminister Negueruela auf das grüne Impfzertifikat der Europäschen Union setzt, um die Auslandsflüge für Geimpfte und Genesene innerhalb de EU zu vereinfachen.

Kommentar

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nürnberger / Vor 3 Monaten

@Corona Ist halt Massentourismus und -abfertigung pur. Muss man mögen.

Klaus Albsteiger / Vor 3 Monaten

Hoffentlich behält MM mit seiner Analyse recht. Und redet Mallorca jetzt bitte nicht schlecht, denn spätestens im September/Oktober haben wir die Delta-Welle auch in Deutschland. Reagieren wir dann wieder mit Einsperren, Wegsperren und Panik, während andere Länder in Europa relativ gelassen bleiben?

Corona / Vor 3 Monaten

Selbst wenn man als Geimpfter nach Mallorca fliegt ist der Flughafen schon allein ein Hindernis. Dort gibt es keinerlei Maßnahmen um Abstandsregeln. Am Samstag war wieder reines Chaos und die Passagiere werden dann noch pampig wenn man um Abstand bittet. In den Flugzeugen sieht es doch nicht anders aus. In Restaurants und Busse und Bahnen muss man Abstand halten aber in den Fliegern in keinster Weise. Allein das sind Hindernisse dort Urlaub zu machen.

Klaus Focknzreisser / Vor 3 Monaten

Alsomwir sind in can pastilia seit 5 Tagen und merke null Komma null von dem was Deutschland uns hier negativ suggerieren will ! Die Deutschen sollten mal von ihrem hohen Ross runterkommen daheim und alles negativ machen hier ! Die deppen an der playa sollten in ihre Schranken gewiesen werden und gut ist , mit Geldstrafen für ungebührendes Verhalten bekommt man sie alle … Ansonsten , Malle ist schön …

Adriano / Vor 3 Monaten

Welchen Grund sollte es geben wenn man Geimpft ist Urlaub auf Mallorca zu machen ?? Wer regelmäßig die schlechten Nachrichten von den Balearen hört müsste eigentlich gewarnt sein dort Urlaub zu machen !! Es gibt genügend alternativen im Mittelmeerraum die nicht negativ auffallen !!!

Asterix / Vor 3 Monaten

@Michel: du bist wieder der Oberschlaue, " Weil Wirtschaft im Eimer". Auf Mallorca gibt es keine Alternative zum Tourismus. Die hiesige Wirtschaft IST der Tourismus. Auch die Leute, die sagen "habe mit dem.Tourismus nichts zu tun", sollten sich fragen,was sie machen und warum es floriert. Selbst der Handwerker hat sekundär mit dem Tourismus zu tun. Industrie gab es hier mal, gibts nun auch nicht mehr. Ergo ist die Wirtschaft hier nicht kaputt, der Tourismus läuft, wenn auch etwas gebremst.

Roland / Vor 3 Monaten

Mit dem ausgleichenden Urlaub 2021 auf Mallorca wird das nichts mehr. Das hat sich Mallorca selbst versaut. Ich habe für dieses Jahr Griechenland gebucht.

Michel / Vor 3 Monaten

1.a) weil die Wirtschaft im Eimer ist und wenn es so weiter geht, reicht der Kitt im Fenster nicht

Weitere Fragen???

M / Vor 3 Monaten

Das Licht am Ende des Tunnels kann auch ein Zug sein.

b...elvi / Vor 3 Monaten

Es ist ganz gut, wenn dann nicht mehr so viele ungeimpfte Urlauber zum Feiern kommen. Hätte die hiesige Regierung nicht die Testpflicht für Einreisende aus DE und Teile Spaniens abgeschafft, wäre es vielleicht nicht ganz so schlimm geworden. Der größte Teil der Bevölkerung auf den Inseln hat wirklich alles getan, dass es eine einigermaßen gute Saison geben kann.