Cala Millor – ein Ferienort auf Mallorca entwickelt sich weiter

| Cala Millor, Mallorca |
Noch ist der Fußgängerzone Cristòfol Colom der Charme der 80er anzusehen.

Noch ist der Fußgängerzone Cristòfol Colom der Charme der 80er anzusehen.

Foto: Patricia Lozano
Noch ist der Fußgängerzone Cristòfol Colom der Charme der 80er anzusehen.Die Promenade wurde in den Wintermonaten zur Freude der Gäste auf Vordermann gebracht.DJ Tommy Berg lockt regelmäßig viele Gäste in den Ort und in sein Lokal.Der Strand von Cala Millor gilt als einer der schönsten der Insel.

Wenn DJ Tommy Berg von seinem Mischpult im Lokal Blue Side auf die Fußgängerzone Cristòfol Colom blickt, merkt man ihm an, dass er mit Cala Millor und vor allem mit den Urlaubern dort verwoben ist. „Hier sind die Menschen gesittet”, sagt der Österreicher. Entfesselte Sauflümmel wie etwa an der Playa de Palma gibt es seinen Angaben zufolge hier nicht. Und weil das so ist, ließ sich der auf deutsche Schlager spezialisierte Zampano mit jahrelanger Mega-Park- und Bierkönig-Erfahrung im Inselosten nieder. An der nahegelegenen Costa dels Pins, der Kiefernküste, nennt er ein schmuckes Haus mit blauem Pool sein Eigen.

Es ist Montag, 26. Juli: In der Fußgängerzone mit ihren vielen nunmehr geöffneten Läden sind vor allem Deutsche unterwegs. „80 bis 90 Prozent kommen von dort”, weiß DJ Tommy Berg. Sie schätzen den kilometerlangen Strand mit dem türkisblauen Wasser und die gute Hotel-Infrastruktur. Im Winter waren dort die meisten Renovierungsprojekte auf der Insel abgeschlossen worden, rund 50.000 Gästebetten gibt es hier inzwischen.

Dem nicht weit vom Blue Side entfernt liegenden Hotel Bakour Garbí etwa wurde ein neuer Flügel verpasst. Zudem ist jetzt in dem Ort in einem bereits lange existierenden, aber renovierten Haus das erste Hotel der andalusischen Senator-Kette auf Mallorca untergebracht, das Vier-Sterne- und 60-Zimmer-Haus Senator Cala Millor. Auch das Drei-Sterne-Hotel Hipotels Don Juan erstrahlt in neuem Glanz.

Der Biergarten Blue Side gehört zum Hotel Bluesea Cala Millor, und auch von dort strömen Urlauber in das Etablissement, wo sie, wenn zwischen 20 und 23 Uhr Hits wie das schon legendäre Fliegerlied gespielt werden, an Tischen sitzen müssen. Coronabedingt ist das Tanzen weiter verboten, selbst wenn der mit einem schwarzen Mikrofon bewehrte DJ Tommy Berg am Mischpult zu fortgeschrittener Stunde zu Hochform aufläuft.

Schlendert man auf der Uferpromenade Richtung Süden, gelangt man in eine von modernen Hotelkomplexen umfriedete Parkanlage. Mittendrin erstrahlt wie ein Praliné das famose Café del Sol mit einer Sonnenskulptur auf dem Dach, von wo das Meer so einladend aussieht, als wäre es die Karibik selbst.

Im 1962 von Joan Llinás ersonnenen Uferbereich wurde in den vergangenen Monaten einiges auf Vordermann gebracht: Es gibt neue Spielplätze und eine neue Touristeninformation mit blankgeputzten Toiletten. Zwischendrin wurde moderne Kunst platziert, auf einem Weg radeln Touristen auf ortstypischen vierrädrigen Tretgefährten, die man mieten kann.

Überhaupt ist das Moderne das Markenzeichen des Ortes. Schlichte Formen, helle Farben, selbst die Kirche Nostra Senyora dels Àngels ist ein reiner Zweckbau, vom Auditorium Sa Màniga ganz zu schweigen. Gebäude von ganz früher gibt es nicht mehr, ehedem sollen hier nur ein paar Fischerschuppen gestanden haben. Das 1958 eröffnete Hotel Sabina – ein für diesen Ort geradezu historischer Bau – wurde so umgebaut, dass es aussieht, als wäre es erst vor einigen Wochen aus dem Boden gestampft worden.

Das noch stellenweise den Waschbetoncharme der 1980er Jahre ausstrahlende Innere des Ortes soll in den kommenden Jahren mit Nachdruck aufgehübscht werden. Um das abblätternde Areal bis 2025 zeitgemäß hochzutunen, benötigen die zuständigen Gemeinden Son Servera und Sant Llorenç nach aktuellen Schätzungen 37,2 Millionen Euro. Damit soll der schon jetzt zu erkennende, fast an schicke Küstenorte in Florida erinnernde, aber weiterhin gutbürgerliche Charme des Ortes vervollkommnet werden.

In der Summe nicht inbegriffen ist eine bei der spanischen Zentralregierung eindringlich erbetene Aufschüttung des Strandes mit Sand aus der Region, die wohl dieses Jahr nicht mehr klappen dürfte. Mehrere Winterstürme hatten die dortige Playa in den vergangenen Jahren zum Ärger von Hoteliers und Urlaubern einige Meter schmaler gemacht.

Doch so lange DJ Tommy Berg ausgelassene Stimmung in den Ort bringt, scheint dies den sämtlichen Altersgruppen zugehörigen Urlaubern einerlei zu sein. Cala Millor ist halt im Gegensatz zur Playa de Palma, Magaluf oder etappenweise Cala Rajada eine nicht aus den Fugen geratene Ferienalternative, die viele gerade deswegen zu schätzen wissen. „Vom Ballermann kommen einige in Taxis zu mir, weil ihnen klar ist, dass es hier korrekt zugeht”, sagt der DJ, der im Skiort Ischgl ein Hotel betreibt und auf du und du mit Größen wie Jürgen Drews, Markus Becker und Mickie Krause ist. Im Augenblick rennen dem vor 2019 im nahegelegenen Lokal Captain Hook aktiven Gute-Laune-Bolzen Hunderte pro Abend die Bude ein, „und viele kommen jeden Tag wieder”. Sie nehmen auch an den beliebten Quizaktionen teil. Fast kann DJ Tommy Berg nachvollziehen, dass es schon beinahe so gut wie vor der Pandemie läuft – haben doch viele angesichts des ausgefallenen vergangenen Jahres Party-Entzugserscheinungen.

Und da Corona mit der Zeit immer weiter in den Hintergrund rücken dürfte, ist für den Sommer des kommenden Jahres eine deutliche Erweiterung des Spaß-Etablissements von DJ Tommy Berg vorgesehen. Einstweilen denkt dieser aber nur an die laufende Saison, die er, wenn coronatechnisch alles im Rahmen bleibt, bis Oktober ausdehnen will. „Im November geht es in die österreichischen Alpen”, sagt er. In Ischgl will er, die Corona-Regeln einhaltend, die Winterpartyszene aufmischen.

(aus MM 31/2021)

Kommentar

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M / Vor 2 Monaten

@Tom Tailor: Der Kunde bekommt ein wenig, was er bereit ist zu bezahlen ...

K. / Vor 2 Monaten

Das schöne war, dass man in der Stadt einen großen Parkplatz hatte...

Tom Tailor / Vor 2 Monaten

Der Ort kann sich eigentlich nur "weiterentwickeln" wenn mindestens 30% der häßlichsten Hotels abgerissen werden und nicht wieder durch Neubauten ersetzt werden. Den Ort muss man sich mal im Winter ansehen - einfach grausam !