Eine Gruppe von Kreuzfahrturlaubern beim Stadtbesuch in Palma. Auch ihre Zahl stieg in diesem Jahr beachtlich. | J. Aguirre

Mallorcas Urlaubsmaschinerie läuft nach zweijährigem Corona-Stottern erneut wie geschmiert. Alle Zeichen deuten derzeit darauf hin, dass die Insel in diesem Jahr hinsichtlich Touristenzahlen, Hotelauslastung und Umsatzeinnahmen wieder das Niveau von 2019 erreichen wird. Vielleicht sogar eins darüber.

Nach Statistiken des Landestourismusministeriums in Palma besuchten allein im vergangenen Mai knapp 1,9 Millionen Touristen die Inseln, die überwiegende Mehrheit davon, rund 1,3 Millionen, verbrachte ihren Urlaub auf Mallorca. Im Vergleich waren das nur 0,25 Prozent weniger Mai-Urlauber als vor dem Ausbruch der Virus-Pandemie 2019.

Noch deutlicher spiegelt sich die nahezu vollständige Wiederbelebung der Tourismusbranche auf den Balearen in der Auslastung der Hotelbetten wider. So registrierte der mallorquinische Hotelverband Fehm im Juni eine durchschnittliche Zimmerbelegung zwischen 85 und 90 Prozent, drei Jahre zuvor lag sie für den gleichen Zeitraum bei rund 88 Prozent.

Hinsichtlich der durch die Urlauber generierten Umsatzeinnahmen hat 2022 gute Chancen zum Rekordjahr zu avancieren. Sie beliefen sich im Mai auf insgesamt 1,96 Milliarden Euro, was einem Anstieg von 13,93 Prozent im Vergleich zum selben Zeitraum des Jahres 2019 entspricht. Am meisten gaben die Deutschen auf den Balearen aus, insgesamt 582,64 Millionen Euro, gefolgt von den Briten mit 496,91 Millionen Euro.

Unter allen Balearen-Inseln verzeichnete Menorca den größten Umsatzanstieg im Vergleich zum Mai 2019. Dort beliefen sich die von Urlaubern getätigten Ausgaben auf 155,71 Millionen Euro, das sind 33,77 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Jahres 2019. Auf Mallorca lag der Umsatzzuwachs im Monat Mai bei 11,6 Prozent.

Ähnlich hoch lag die Steigerungsrate der Urlauberausgaben auf allen Balearen-Inseln in den ersten fünf Monaten dieses Jahres. So gaben die Touristen nach Angaben der Landesregierung zwischen Januar und Mai mehr als 4 Milliarden Euro aus, was einer Erhöhung von knapp 11,8 Prozent im Vergleich zu 2019 entspricht. Auch die Ausgaben pro Kopf und Tag sind dieses Jahr erheblich gestiegen und erreichten im Mai 181,77 Euro, während sie vor drei Jahren noch 162,45 Euro betrugen.

Verändert hat sich in diesem Jahr auch die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Urlauber im Vergleich zur Vor-Corona-Ära. So betrug der Aufenthalt auf den Balearen im vergangenen Mai im Mittel 5,7 Tage. Das sind 19,6 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, als die durchschnittliche Aufenthaltsdauer noch 7,1 Tage betrug. Andererseits ist sie höher als im gleichen Zeitraum des Jahres 2019, als sie nur 5,6 Tage betrug. Nach Inseln aufgeschlüsselt, lag die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von Urlaubern im Mai auf Menorca mit 6 Tagen am höchsten, während sie auf Mallorca 5,8 Tage betrug. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer auf den Pityusen sank auf 5,1 Tage, den niedrigsten Wert in deren bisheriger Tourismusgeschichte.

Die Wiederkehr nationaler und internationaler Urlaubermassen auf Mallorca und den Nachbarinseln hat aber auch wieder deren Schreckgespenster aus ihrem Corona-Verließ geholt, wie Warteschlangen im Flughafen, Staus auf den Straßen, überfüllte Strände und ständig besetzte Restauranttische. Neben Umweltschützern prognostizieren zudem mehr oder weniger radikale Regionalpolitiker einen drohenden Ressourcenkollaps, sollte der Touristenansturm nicht schleunigst in Schranken verwiesen werden. Mallorcas Inselratspräsidentin Catalina Cladera von der sozialistischen PSOE-Partei warnte kürzlich in einem Zeitungsinterview vor einem touristischen Overkill. „Wir sehen, dass die Insel an ihre Grenzen gerät. Mallorca kann diesen ständigen Druck nicht das ganze Jahr über aushalten”, so Cladera.

Noch radikaler äußerte sich ein Politiker der Linkspartei Més. Er forderte von der Landesregierung, die Zahl an Flugpassagieren auf Palmas Airport zu deckeln – ein Vorschlag, der auch unter vielen urlaubergenervten Einheimischen mittlerweile Anklang finden dürfte. Landestourismusminister Iago Neguerala verwies in diesem Zusammenhang lediglich auf die „mangelnden Kompetenzen”, um das Airport-Nadelöhr der Insel verengen zu können. Ganz abgeneigt schien der Idee aber nicht.

Vielleicht könnte sich das Problem der derzeitigen Touristenflut schon bald von ganz allein regeln. Die in ganz Europa galoppierende Inflation und Treibstoffverteuerung führt bereits jetzt zu einem Anstieg der Preise für Flüge und Reisen. Mallorca Hoteliers kündigten zudem an, ihre Preise im kommenden Jahr um mindestens 15 Prozent zu erhöhen. Einige Fluggesellschaften wie Easyjet haben bereits jetzt damit begonnen, ihre Ticketpreise zu erhöhen. Ob das Mallorcas Urlaubsmaschinerie wieder ins Stottern bringt, bleibt abzuwarten.