Das Landgut Raixa hat endlich eine neue Nutzung

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Die neoklassizistische Fassade des Hauptgebäudes ist gut erhalten.

Die neoklassizistische Fassade des Hauptgebäudes ist gut erhalten.

Foto: Patricia Lozano
Die neoklassizistische Fassade des Hauptgebäudes ist gut erhalten.Die Gartenanlage von Raixa gehört seit einiger Zeit zur European Route of Historic Gardens.Viel zu sehen gibt es in den Räumen des alten Landsitzes nun. Die offizielle Eröffnung fand Ende Oktober statt

Da hat jemand richtig gute Arbeit gemacht. Das neue Informationszentrum „Centre de la Serra de Tramuntana” auf dem Landgut Raixa wird selbst überzeugte Museumsmuffel begeistern. Eine gelungene Kombination aus 3D-Simulationen, historischen Fotos, Videos mit nachgespielten Szenen aus der Vergangenheit und beeindruckenden Naturaufnahmen bringen Besuchern Geologie, Geografie, Fauna, Flora und Kultur des Tramuntana-Gebirges nahe. Am Eingang erhalten die Gäste einen kostenlosen Audioguide, verbunden mit der Frage: „Welche Sprache möchten Sie hören?” Spanisch, Katalanisch, Englisch und Deutsch sind verfügbar. So kann man die Ausstellung eigenständig, aber doch „geführt” erkunden. Über Sensoren neben den einzelnen Stationen werden die Audio-Beiträge aktiviert.

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Im ersten Raum weht ein heftiger Wind, zumindest schallt er aus dem Lautsprecher, denn er ist es, der dem Gebirgszug seinen Namen gegeben hat. „Tramuntana” (aus dem Lateinischen „über dem Berg”) bezeichnet einen kalten, stürmischen Wind aus Norden und Nordwesten. Vor zehn Jahren wurde die Tramuntana von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt. „In diesem Zentrum wollen wir den Besucherinnen und Besuchern den Grund für diese Entscheidung verdeutlichen”, erklärt Jessica Nolte von der Touristeninformation des Museums. Ausschlaggebend sei nicht die Schönheit der Natur gewesen, sondern die Umwandlung des rauen Gebirges in eine fruchtbare Kulturlandschaft. Die zwei wichtigsten Techniken dazu waren die Bewässerungssysteme aus der Zeit der Araber sowie die Technik zum Trockenmauerbau Pedra en Sec. In kurzen Filmen kann man sehen, wie die Techniken entwickelt und angewandt wurden. Auch andere Elemente des ländlichen Alltags von früher, etwa Kohleöfen, Olivenpressen oder Tennen, werden durch gespielte Szenen anschaulich dargestellt.

Beeindruckend ist auch die virtuelle Nachstellung der Entstehung des Gebirges vor zirka 50 Millionen Jahren. Die afrikanische Platte hatte sich unter die europäische geschoben. Die abgelagerten Sedimente wurden nach oben gedrückt und allmählich entstand die Tramuntana, wie wir sie kennen.

Als 20 „Pfeiler” der Tramunana werden die 20 Gebirgsgemeinden von Andratx bis Pollença bezeichnet und nach Themenschwerpunkten vorgestellt. So steht zum Beispiel die Gemeinde Escorca mit dem Heiligtum Lluc für die Spiritualität und Religion Mallorcas.

Wer nach den vielen spannenden Informationen eine Pause machen möchte, kann mit Naturaufnahmen auf großen Bildschirmen virtuell in die Tramuntana eintauchen und wie ein Vogel über die Berge fliegen oder ihre Pflanzen und Tiere aus nächster Nähe beobachten, etwa den emblematischen Frosch Ferreret, Fledermäuse, Käfer, Bienen oder Igel. Für Unterhaltung sorgen zwei optische Illusionen. Eine nachgebaute Trockensteinmauer steht zwischen mehreren Spiegeln, was den Eindruck einer unendlich langen Mauer schafft. Und beim Betrachten traditioneller Tänze in einem Kaleidoskop hat man das Gefühl, selbst mitten auf der Tanzfläche zu stehen.

Besichtigungen und Führungen:

Das Landgut Raixa finden Sie bei Kilometer 12 an der Straße von Palma nach Sóller. Das Centre de la Serra de Tramuntana ist während der Öffnungszeiten des Landguts zugänglich: Dienstag bis Samstag von 10 bis 15 Uhr, montags, sonntags und an Feiertagen geschlossen. Der Eintritt ist kostenlos. Geführte Touren werden um 10 und 12 Uhr angeboten (Dauer zirka zwei Stunden), falls sich mindestens zehn Personen vorab angemeldet haben (eine Woche im Voraus). Die Touren sind ebenfalls kostenlos. Kontakt und mehr Infos: 
raixa.conselldemallorca.cat.

(aus MM 44/2021)

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