Jung und Alt zahlen bei den Autovermietern wie hier am Flughafen von Palma oft nicht den gleichen Preis. Am günstigsten mieten Urlauber mittleren Alters. | Archiv

12

Als Dr. Heinz-Joachim Kuhne-Velte und seine Frau eines lauen Sommerabends am Flughafen von Palma de Mallorca ankamen und in ihren Mietwagen steigen wollten, traf das Ehepaar aus Konstanz beinahe der Schlag: "Wir sollten 20 Euro pro Tag mehr bezahlen - nur aufgrund unseres Alters", erzählt der 73-Jährige. Insgesamt hätte das Auto knapp 40 Euro täglich gekostet, zu teuer und auch unverschämt, fanden die Urlauber. Die Senioren lehnten den Mietwagen mit zugehörigem Preisaufschlag ab und fuhren mit einem Taxi zu ihrer Unterkunft.

So wie es ihnen ergangen ist, passiert es regelmäßig Menschen über 70, die auf Mallorca einen Mietwagen leihen möchten: Einige Anbieter verlangen einen Alterszuschlag. Den Urlaubern wird diese zusätzliche Gebühr häufig erst bei der Übergabe des Mietwagens mitgeteilt oder fällt ihnen beim Lesen des Kleingedruckten auf. "Dieses Vorgehen ist zwar legal, allerdings unethisch", betont Ramón Reus vom balearischen Verband der Mietwagenunternehmen Aevab.

Oftmals bei Low-Cost-Anbietern üblich

Besonders häufig würden Low-Cost-Anbieter ihren älteren Kunden solche zusätzlichen Gebühren auferlegen - und sie damit verprellen. "Ich kann den Urlaubern nur raten, sich vorher über die Mietkonditionen zu informieren", betonte Reus, denn 95 Prozent der Anbieter würde keinen Alterszuschlag erheben. Dieser Ansicht sind auch deutsche Mietwagen-Vergleichsportale: Wer sich vorher schlau mache, dem bleiben böse Überraschungen bei der Abholung des Mietwagens erspart.

Beim balearischen Verbraucherschutz "Consubal-Facua" können sich Kunden, die auf den Balearen Waren und Dienstleistungen erworben haben, beschweren. Wochentags von 10 bis 13 Uhr bekommen Konsumenten in Palma (Calle Indalecio Prieto 14) - auch in deutscher Sprache Rat. "Die Unternehmen können in ihren Verträgen die Konditionen festlegen, wie sie möchten", erklärt Verbraucherschützer Alfonso Rodríguez. Unterschreibe der Kunde, nehme er damit die Bedingungen und auch die Zusatzgebühren des Autovermieters an. Der Altersaufschlag sei in den vergangenen Jahren entstanden: "Die Vermieter befinden sich in einem Preiskampf", erklärt Rodríguez. Die Preise seien eigentlich zu billig und Zusatzgebühren sollen nun die Kosten decken. Denn der Aufschlag für Senioren falle nicht etwa für eine höhere Versicherungsprämie an, sondern wandere in die Taschen der Autovermieter, so der Verbraucherschützer.

Ähnliche Nachrichten

Lässt sich mit Unfallstatistik nicht begründen

Denn anhand der Unfallstatistik lässt sich der Altersaufschlag zumindest nicht begründen. Absolut gesehen verursachen ältere Autofahrer weniger Unfälle als jüngere, und dass, obwohl immer mehr Menschen über 65 auf den Straßen unterwegs sind. Allerdings steigt in der Generation 75-plus der Anteil jener Unfallfahrer an, die auch Schuld an dem Zusammenstoß hatten. Das geht aus Unfallstatistiken hervor. Einige Unternehmen haben deshalb eine Altersgrenze eingeführt, vermieten an Kunden über 75 oder 78 Jahre gar keine Autos mehr. "Das ist natürlich Quatsch. Wer einen Führerschein hat, sollte sich auch ein Auto mieten können", sagt Ramón Reus.

Das gilt allerdings nicht für Fahranfänger. Denn in der Branche ist es weit verbreitet, dass sich junge Fahrer bis 21 oder 23 Jahren gar keinen Wagen ausleihen können. "Die kleineren Unternehmen können da oft flexibler entscheiden", sagt der Verbandsvorsitzende von Aevab. Will ein junges, seriös wirkendes Paar sich ein Fahrzeug leihen, stimme der Vermieter eher zu, als wenn es sich um eine Gruppe junger Männer handelt. Doch: Für Fahranfänger fällt immer eine Jungfahrergebühr an. Diese wiederum wird sowohl in Spanien als auch in Deutschland mit Unfallstatistiken begründet, laut denen Fahranfänger zur gefährdetsten Gruppe im Straßenverkehr gehören. Sie verursachen statistisch gesehen die meisten Unfälle teilt der ADAC mit.

Bleibt also den jungen Fahrern die Möglichkeit auf ein Mietwagen-Schnäppchen verwehrt, können Ü70-Fahrer durch Vergleiche der verschiedenen Anbieter ein günstiges Leihfahrzeug für ihren Mallorca-Urlaub finden. So handhaben es inzwischen auch Dr. Heinz-Joachim Kuhn-Velte und seine Frau: "In unserem nächsten Mallorca-Urlaub wollen wir wieder bei einem renommierten Anbieter mieten."

(aus MM 36/2016)