Tierarzt Dr. Gordon Schier warnt: „Übertragen werden die Larven durch die Tigermücke, die sich vor ungefähr zehn Jahren auf Mallorca ausgebreitet hat.” | privat

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Sie sind nichts Geringeres als vollwertige Familienmitglieder. Aus diesem Grund wird auch jede Krankheit des geliebten Haustieres mit Sorge beobachtet und oft mit viel finanziellem und zeitlichem Aufwand behandelt. Was aber, wenn eine Behandlung gar nicht anschlagen kann, weil die mögliche Ursache unerkannt bleibt?

Seit ungefähr vier Jahren stellen Mallorcas Tierärzte eine bis dato auf der Insel unbekannte Erkrankung bei Hunden und Katzen fest. „Das sind sogenannte Herzwürmer. Die gehören zu den Fadenwürmern und sie können sich im Herz oder der Lunge des Wirtes einnisten.”, erklärt der promovierte Tierarzt Gordon Schier und ergänzt: „Übertragen werden die Larven durch die Tigermücke, die sich vor ungefähr zehn Jahren auf Mallorca ausgebreitet hat.” Man wisse es nicht genau, aber wahrscheinlich sei der Erreger so über Nordafrika nach Mallorca eingeschleppt worden. „Bisher gibt es acht bestätigte Fälle der meldepflichtigen Krankheit. Wie hoch die Dunkelziffer ist, kann man natürlich nicht sagen.”

Schier sieht darin keinen Grund zur Panik, beruhigt der Veterinärmediziner, appelliert aber doch an seinen Berufsstand, die Möglichkeit eines Befalls mit Dirofilaria immitis bei einer Untersuchung in Betracht zu ziehen. „Für uns ist es schwer, die Symptome automatisch mit dem Erreger in Verbindung zu bringen, da sie auch jede Menge andere Ursachen haben können.”

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In der Regel wirke das Haustier schlapp, müde und abgeschlagen. Oftmals komme dann noch Atemnot und Husten hinzu. Ursache dafür sei der durch den Befall entstehende Sauerstoffmangel bei den Tieren. Bei einer eingehenden Untersuchung stellen Tierärzte oft zusätzlich Herz- oder Lungengeräusche fest. „Diese können zwar ebenfalls andere Ursachen haben, sind allerdings ein guter Hinweis auf Herzwürmer.”

Je nach Schwere des Befalls kann die Behandlung sehr schwierig sein, erläutert Schier weiter. „Im schlimmsten Fall muss ein sehr komplizierter chirurgischer Eingriff erfolgen, und das geht nur in einer Spezialklinik.” Generell gelte, je früher der Erreger entdeckt werde, desto besser stünden die Heilungschancen durch eine medikamentöse Behandlung. Besonders in einem fortgeschrittenen Stadium müsse man mit Medikamenten wiederum vorsichtig agieren, denn die 20 bis 30 Zentimeter langen und zirka ein Millimeter dicken Parasiten könnten, auch wenn sie abgetötet werden, das System sozusagen verstopfen. „Am besten ist und bleibt die Prophylaxe. Wir haben mittlerweile richtig gute Wurm- und Parasitenmittel für die Tiere, und in der Regel helfen diese auch gegen die Herzwürmer im Larvenstadium.”

Außerdem sei es wichtig, künftig vor allem den Überträgern dieser und anderer Krankheiten, also der Tigermücke, möglichst die Lebensgrundlage im heimischen Garten zu entziehen. „Sämtliche stehenden Wasserquellen sollte man entfernen oder mit entsprechenden Mitteln behandeln, um die Larven der Tigermücke abzutöten.”

Für den Menschen seien die Würmer in den meisten Fällen ungefährlich, kann der Fachmann beruhigen. Es habe zwar schon in anderen Ländern Befall von verschiedenen Unterarten des Parasiten beim Menschen gegeben, in den meisten Fällen gelte der Mensch aber als sogenannter „Fehlwirt”. „Das bedeutet, unser Immunsystem bekämpft sie im Larvenstadium und tötet sie ab, bevor sie die nächste Entwicklungsstufe erreichen können.”